Wenn es im Stau nicht mehr weiter geht

Die Motorradstaffeln aus Hannover und Schwarmstedt ziehen Bilanz

Hannover. Es geht nicht mehr voran, im Auto wird es immer heißer, die Wasserflaschen sind leer und die Nerven liegen blank… Im Stau, bei Pannen, bei Unfällen auf der Autobahn sind Menschen dankbar für eine schnelle Hilfe. Die trägt Hellrot und kommt auf Motorrädern daher. In diesem Jahr waren die Stauhelfer der Johanniter seit den Osterferien bis Ende Oktober auf den niedersächsischen Autobahnen unterwegs. Im Vergleich zu 2018 fuhren sie dabei mehr Kilometer und leisteten noch häufiger Hilfe. Allein die zwei Motorradstaffeln der Ortsverbände Hannover-Wasserturm und Aller-Leine (mit Sitz in Schwarmstedt) vermeldeten zum Saisonende exakt 800 Hilfeleistungen wie Erstversorgungen, Lagemeldungen nach Unfällen, Absicherungen von Unfall- oder Einsatzstellen oder auch die Beseitigung von Verkehrsgefahren - 2018 waren es 600 Hilfeleistungen gewesen. In diesem Jahr fuhren die insgesamt 22 Stauhelfer 50 090 Kilometer an 238 Tagen, im Vorjahr waren es 40 594 Kilometer an 251 Tagen. Zusammen kamen dabei aktuell 1 799 Stunden ehrenamtliches Arbeiten, 2018 waren es 1 532 Stunden. Zusätzlich zu den Hilfeleistungen konnten die Stauhelfer häufig durch ihre Präsenz und ihr rasches Eingreifen weitere Probleme verhindern oder die Folgen abmildern. Die Vermittlung von Pannenhilfe oder auch Unterstützung bei der Selbsthilfe prägen die Tätigkeit der Stauhelfer, deren Arbeit eine anerkannte Entlastung der Autobahnpolizei ist. Zu den Hauptaufgaben der Stauhelfer gehört es, durch das Bilden einer Rettungsgasse den Einsatz- und Rettungskräften den Weg durch den Stau freizumachen.
Die Johanniter-Stauhilfe ist eine Kooperation mit dem Automobilclub ADAC, dem niedersächsischen Innenministerium und der Polizeidirektion Hannover. Hannes Wendler, Mitglied des Vorstands im Landesverband Niedersachsen/Bremen, bedankte sich beim diesjährigen Saisonabschluss am Mittwochabend in Hannover bei den Helfern für ihren Einsatz: „Besonders die hohen Temperaturen im Sommer machen den Einsatz auf den Straßen für die Stauhelfer in ihrer Schutzbekleidung oft enorm anstrengend. Ich habe Respekt vor unseren Ehrenamtlichen, die während der Saison mehrmals die Woche ihre Freizeit auf den Autobahnen in Niedersachsen und Bremen verbringen, um Menschen zu helfen – sei es medizinisch bei einem Unfall oder auch nur mit netten Worten und einem Getränk.“
„Wir haben eine gute Saison hinter uns“, sagte Michael Scholz für die Motorradstaffel des Ortsverbandes (OV) Hannover-Wasserturm. „Besonders erfreulich ist, dass die meisten Autofahrer mittlerweile zuverlässig bei Stau eine Rettungsgasse bilden. Wir müssen aber weiterhin daran arbeiten auch die übrigen Fahrer zu erreichen.“ Scholz übernahm am Mittwoch offiziell die Leitung der Staffel und dankte seinem Vorgänger Hans-Günther Hackmann, der sich nach elf Jahren als ehrenamtlicher Stauhelfer verabschiedete. Hackmann: „Es war eine sehr schöne Zeit. Wir waren Gleichgesinnte, die am selben Strang gezogen haben.“ Besonders habe er sich über die positiven Reaktionen der Autofahrer gefreut. „Die waren immer froh, wenn wir da waren“, sagte er.
Für den Ortsverein Aller-Leine zog Staffelleiter Thomas Rauch Bilanz: „Gerade mit Blick auf die kommende Saison haben wir uns noch breiter aufgestellt. Wir konnten in diesem Jahr vier neue Staffelmitglieder gewinnen und wollen in der Saison 2020 verstärkt Präsenz auf der Autobahn zeigen.“
Und noch eine Personalie gab es zu vermelden: Die Position des Fachberaters Motorradstaffeln im Landesverband Niedersachsen/Bremen, die ebenfalls Hans-Günther Hackmann innehatte, übernimmt künftig Stauhelfer Thorsten Renken, der regelmäßig für die Staffeln der Ortsverbände Aller-Leine und Hildesheim auf die Strecke geht.
Die Johanniter-Stauhelfer sind stets in der Zeit zwischen den Oster- und den Herbstferien auf den Autobahnen anzutreffen. In der Saison 2019 legten die ehrenamtlichen Stauhelfer aus den sechs Staffeln der Ortsverbände Hannover-Wasserturm, Aller-Leine, Hildesheim, Salzgitter, Northeim, Ahlhorn insgesamt 93 605 Kilometer auf den niedersächsischen Autobahnen zurück, sie leisteten dabei 3 264 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Wenn viele Ausflügler und Urlauber unterwegs sind, bedeutet das leider auch mehr Unfälle. Aber oft ist der Weg an den Unfallort versperrt, weil es keine Rettungsgasse gibt. Dann sind die Johanniter-Stauhelfer mit ihren wendigen Maschinen gefragt. Sie sichern Unfallstellen oder Liegenbleiber ab und leisten Erste Hilfe bis der Rettungsdienst oder Pannenservice eintrifft. Auch die Versorgung von im Stau stehenden leidgeplagten Autofahrern mit Erfrischungen, Kinderspielzeug und Umleitungsempfehlungen gehört zu den Aufgaben der Biker. 1 099 Mal standen die Stauhelfer in der Saison 2019 Menschen in Not zur Seite. Die Einsätze der Johanniter-Stauhelfer sind sowohl für die zu versorgenden Personen als auch für die Kommunen und Polizei kostenfrei. Die Ausstattung der Fahrer, technisches und medizinisches Material sowie die Unterhaltung der Motorräder werden über Spenden finanziert.