"Wie mit der Plastiktüte überm Kopf“

Da waren beide noch wohlauf: Danny Kussin (links) und sein Freund Gerd Schäfer.
 
Beeindruckend: der schneebedeckte Kilimandscharo.

Langenhagener Danny Kussin klettert aufs „Dach von Afrika“

Das Gefühl, wenn die Luft dünn wird, hat in diesen Tagen ja bekanntlich unser ehemaliger Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am eigenen Leib gespürt. Und auf dieselbe Erfahrung kann der Langenhagener Danny Kussin zurückblicken, allerdings auf eine ganz andere Art und Weise. Kussin hat den Gipfel des Kilimandscharo – mit 5.895 Metern höchster Berg Afrikas an der Grenze zwischen Tansania und Kenia – erklommen. „Die Idee dafür kam eigentlich aus einer Bierlaune heraus mit einem Freund“, erzählt Kussin, der zwar schon mal im Harz unterwegs war, größere Gebirge allerdings noch nicht in Angriff genommen hat. Sportlich ist Kussin aber auf jeden Fall, auch wenn er selbst Raucher ist. Und er hat sich auch akribisch sechs Wochen lang mit Ausdauersport wie etwa Joggen vorbereitet. Aber eben in Langenhagen, und da ist das mit der Höhenluft so eine Sache. Anfang Februar ging’s dann zusammen mit seinem Freund Gerd Schäfer aus Bückeburg schon mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch gen Afrika. Weshalb eigentlich der Kilimandscharo im fernen Afrika und nicht der Mont Blanc, höchster Berg Europas, in der Schweiz gelegen? „Das ist ein Berg, den man hochwandern kann – ohne Bergsteigerausrüstung“, so Danny Kussin, der seine Brötchen als selbstständiger Installateur- und Heizungsbauer-Meister verdient. Nur: Das „Hochwandern“ entpuppte sich schnell als große Herausforderung, oft hatte Kussin ein Gefühl, „als wenn ich mit der Plastiktüte übem Kopf einmal um den Block renne“. Vier bis fünf Liter Wasser am Tag waren Pflicht, aber die Kopfschmerzen wurde der Langenhagener Handwerker trotzdem nicht los, mehr als einmal musste der kräftige Mann nach Luft japsen. Sechs Tage lang dauerte der Auf- und Abstieg, begleitet von Guides und Trägern, mit Zwischenstationen auf 2.700, 3.720 und 4.703 Metern in Vier-Mann-Holzhütten, ehe es dann zum letzten Anstieg Richtung Gipfel ging. Sein Kumpel war zu diesem Zeitpunkt ausgestiegen, für ihn ging’s wieder hinab ins Tal. „Er hat schwarzweiß gesehen und hatte starken Augendruck“, beschreibt Kussin die Situation am Kilimandscharo drastisch. Dazu kamen Erbrechen und Doppelbilder, so dass für Gerd Schäfer Feierabend war. Nicht aber für Danny Kussin: Der fühlte sich noch relativ fit und wollte unbedingt aufs „Dach von Afrika“. Der letzte Akt auf dieser „Reise ins Ungewisse“ wurde für den sportlichen 36-Jährigen dann aber doch noch zur Tortur, das Herz schlug mit jedem Meter, den es hinaufging, schneller, das Angstgefühl nahm zu. Kussin: „Ich stand bei diesem Höhenrausch teilweise richtig neben mir.“ Dann endlich geschafft, der Gipfel auf 5.895 Meter war bei Sonnenaufgang erreicht, waren es im Tal noch 35 Grad Celsius, herrschte hier eine eisige Kälte bei minus 16 Grad Celsius. Dort ging dann allerdings nichts mehr – nach drei bis vier Schritten musste sich Danny Kussin erst einmal hinsetzen. Und im Nachhinein sagt er frei von der Leber weg: „Noch mal würde ich das nicht mehr machen; da kommt man schon an seine Grenzen, und es wäre nicht mehr weitergegangen.“ Aber: Solche Erfahrungen macht man normalerweise auch kein zweites Mal im Leben.
Oliver Krebs