Zu viele Bälle abgegeben

Topscorer unter sich: Joe Bestwick (rechts) im Duell mit Thomas Böhme. (Foto: Weicht)
 
United-Talent Matthias Güntner (links) bremst RSV-Center Michael Auprince aus. (Foto: Weicht)

Rollstuhlbasketball: 56:72 - Hannover United zeigt Haltung beim RSV Lahn-Dill

Sieg und Niederlage für Hannover United: Der Rollstuhlbasketball-Bundesligist hat nach dem Heimerfolg gegen die BG Baskets (72:57) im Spitzenspiel beim RSV Lahn-Dill mit 56:72 verloren. Coach Martin Kluck bemängelte die Turnover-Quote gegen den Rekordmeister, lobte aber die Gegenwehr.
Dieses Wochenende hat Hannover United viel Kraft gekostet - und den zweitenTabellenplatz in der ersten Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL1). Durch die 56:72-Niederlage im Spitzenspiel beim RSV Lahn-Dill am Sonntagnachmittag rutscht United hinter den Rekordmeister. „In unserer Entwicklung haben wir so ein Spiel nach einiger Zeit gebraucht, in dem uns ein überlegener Gegner erwischt und uns bis ins Letzte fordert“, sagte Trainer Martin Kluck anschließend. „Es war das erwartet schwierige Spiel gegen einen Top-Gegner. Wir haben aber auch immer mal wieder gute Lösungen gefunden, auf denen lässt es sich aufbauen.“ Mit der Niederlage im Nachholspiel des vierten Spieltags endete auch eine Serie von sieben Siegen in Folge für Hannover United - zählt man die am Grünen Tisch gewerteten Partien aus der Hinrunde gegen den BBC Münsterland und die RBB München Iguanas mit. 24 Stunden zuvor hatte Hannover in seiner Partie des 11. Spieltags in der United Arena die BG Baskets Hamburg mit 72:57 geschlagen.
„Das wird ein toughes Ding, weil wir richtig Kraft gelassen haben - das weiß Lahn-Dill auch“, hatte Kluck nach dem Sieg gegen Hamburg gesagt. Und der RSV, ebenfalls am Sonnabend mit 87:57 bei den Rhine River Rhinos erfolgreich, setzte gegen Hannovers kurze Bank dann auch auf Schnelligkeit und Ausdauer. Der Rekordmeister spielte von Beginn an eine sehr effektvolle Ganzfeld-Presse, setzte Hannover so früh unter Druck, erzwang Fehlpässe und schwierige Schüsse. Vor allem hielt der RSV United-Topscorer Joe Bestwick lange Zeit vom Korb weg. Bestwick erzielte seinen ersten Punkt nach fünfeinhalb Minuten, als er einen von zwei Freiwürfen versenkte. So lange dauert es in der Regel nicht, bis der Deutsch-Brite trifft. Den ersten Zweier schoss Bestwick 90 Sekunden vor Ablauf des ersten Viertels. Da lag Hannover bereits mit zehn Punkten im Rückstand (13:23).
Hannover machte der Druck zu schaffen - und die daraus resultierenden langen Angriffsphasen. Während Thomas Böhme, Steve Serio und Brian Bell regelmäßig zügig zum Abschluss kamen, musste Hannover doppelt so hart arbeiten, bis das Team einen Schützen in eine Wurfposition bringen konnte. Ungenauigkeiten führten zudem zu einfachen Ballverlusten, was Lahn-Dill humorlos bestrafte. Bis zur Halbzeit baute der Rekordmeister die Führung auf 16 Punkte aus (41:25) - und denen rollte Hannover bis zum Ende hinterher.
Man verlor Lahn-Dill aber auch nicht aus den Augen. Hannover gelang es zwar nicht, den Abstand zu verkürzen. Doch es hielt mit dem kleinen Acht-Mann-Kader gegen die breite RSV-Bank mit zwölf Spielerinnen und Spieler gegen und gestaltete die zweite Halbzeit ausgeglichen. Neben 15:5 Turnover zugunsten der Gastgeber war ein weiterer Faktor für die Niederlage, dass Hannover neben Joe Bestwick (21) und Matthias Güntner (17) erstmals seit langem keinen dritten Spieler zweistellig in die Punkte brachte. „Wir haben gerade in der ersten Halbzeit zu viele Bälle abgegeben. 15 Turnover, davon elf vor der Pause, sind gegen so ein Topteam einfach zu viel. Das ist einfach nicht zu kompensieren“, sagte Kluck. Für die kommenden Partien habe die Partie auch Gutes gehabt. Mit Blick auf die Rückspiele gegen die Baskets 96 Rahden (30. Januar) und den RSV Lahn-Dill (13. Februar) „gewöhnt man sich an die Minuten, in denen wir stark gepresst werden - das ist wichtig“.

RSV Lahn-Dill: Thomas Böhme (23), Brian Bell (16), Steve Serio (15), Simon Brown, Michael Auprince (je 6), Ian Sagar (4), Christoph Huber (2), Mark Beissert, Annabel Breuer, Catharina Weiß, Peyman Milan, Dominik Mosler.
Hannover United: Joe Bestwick (21), Matthias Güntner (17), Jan Haller (6), Jan Sadler (5), Oliver Jantz (4), Alexander Budde (2), Tobias Hell, Vanessa Erskine.

Hannover United: Alexander Budde (24 Punkte), Joe Bestwick (23), Matthias Güntner (13), Jan Haller (8), Jan Sadler (4), Vanessa Erskine, Oliver Jantz, Tobias Hell.
BG Baskets Hamburg: Mojtaba Kamali (27 Punkte), Kai Möller (19), Alireza Ahmadi (4), Mareike Miller (3), Luc Weilandt, Martin Steinhardt (je 2), Janne Deutschmann, Maya Lindholm, Nikolaus Classen.