Quergedacht

Ein junges Ehepaar zieht in eine neue Nachbarschaft. Beim Frühstück am nächsten Morgen sieht die junge Frau ihre Nachbarin draußen beim Aufhängen der Wäsche. »Diese Wäsche ist nicht besonders sauber«, sagt sie, »Sie weiß nicht, wie man richtig wäscht. Vielleicht braucht sie auch ein besseres Waschmittel.« Ihr Mann sieht hin, bleibt aber still. Jedes Mal wenn ihre Nachbarin die Wäsche zum Trocknen aufhängt, macht die junge Frau die gleiche Bemerkung. Ungefähr einen Monat später sieht sie plötzlich im Nachbargarten schöne saubere Wäsche an der Leine hängen. Freudig überrascht sagt sie zu ihrem Mann: »Guck mal, endlich hat sie gelernt, wie man richtig wäscht! Ich frage mich, wer ihr das beigebracht hat.« Daraufhin entgegnet ihr Mann trocken: »Heute Morgen bin ich früh aufgestanden und habe unsere Fenster geputzt. «
Die Geschichte sagt uns nicht nur, dass wir unserer Nachbarn nicht so genau beobachten sollen, sondern, wir sollen auch vermeiden, über sie zu urteilen. Sie sagt uns aber auch, wie schwierig es ist überhaupt den Durchblick zu behalten.
Jesus findet nach dem Evangelium des Matthäus ziemlich deutliche Worte zu solchem Verhalten: In Kapitel 7, Verse 1 bis 5 heißt es: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn so wie ihr über andere urteilt, wird man auch euch beurteilen, und das Maß, mit dem ihr bei anderen messt, wird auch euch zugemessen werden. Was kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders, bemerkst aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: 'Halt still, ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!' -, und dabei ist der Balken doch in deinem Auge? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Dann wirst du klar sehen und den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen können.“
Das könnte zum Beispiel heißen, dem Anderen, dem Gegenüber, zu sagen, wenn er oder sie übergriffig wird oder einen bitterbösen Kommentar oder eine Mail schreibt: „Putz doch erst mal dein eigenes Fenster“! Aber es könnte möglicherweise auch bedeuten, bei sich selbst erst die Fenster zu putzen und den Blick zu klären, bevor ich einen unbedachten Spruch mache. Die Erfahrung, die die kleine Geschichte uns lehrt, besagt: Schau genau hin, mit welcher Voreinstellung Du einen anderen Menschen betrachtest. Schau auf Dich selbst und Dein Verhalten. Denke zunächst das Beste über ihn oder sie. Verhalte dich ihm oder ihr gegenüber „Mit RESPEKT!“. Dies ist übrigens auch eine Initiative der „Offenen Gesellschaft Langenhagen“, die alle Bürger*innen einlädt, dabei mitzumachen, Möglichkeiten zu finden, wie und wo „Respekt“ notwendig und wünschenswert ist.

Falk Wook, Pastor

Autor:

Oliver Krebs aus Langenhagen

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.