13. Godshorner Laienkanzel am Neujahrstag

Arnd Henze, Journalist und Falk Wook, Pastor der Godshorner Kirchengemeinde Zum Guten Hirten

Gastvortrag des WDR Fernsehkorrespondenten Arnd Henze

Godshorn (dl) „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“. Dieses Wort aus dem Markusevangelium Kapitel 9 Vers 24 als ein fordernder Ausdruck der Verzweiflung und von der Ökomenischen Arbeitsgemeinschaft Bibellesen als Jahreslosung 2020 ausgewählt, wirke auf ihn, so beschreibt es der Journalist des WDR und Buchautor Arnd Henze in seinem Gastvortrag, auf den ersten Blick ziemlich sperrig, fast widersprüchlich. So, als sei Unglauben etwas Defizitäres. Henze nimmt in seiner Ansprache Bezug darauf und setzt das Wort in ein Verhältnis zu einem demokratisches Grundverständnis, welches sich nicht allein auf den Glauben oder blindes Vertrauen stützt, sondern vielmehr auf eine skeptische Mündigkeit der Menschen und deren kritisches Hinterfragen. Der Glauben allein sei allzu oft eine reine Machtfrage mit fatalem Ausgang, beklagt Henze, insbesondere für Ungläubige beziehungsweise Andersgläubige. Henze spricht in seinem eher verhalten-optimistischen Vortrag über die Schwierigkeit zu Glauben, angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Grundstimmung. Nicht nur hierzulande und in diesem Zusammenhang darüber, wozu Menschen im negativen Sinne fähig und in der Lage sind. Henze, der evangelische Theologie studiert hat, befasst sich schon früh kritisch mit der Rolle von Theologie und Kirche und setzt sich in seinem Buch: „Kann Kirche Demokratie?“ mit den Anfälligkeiten der Evangelischen Kirche in der NS-Zeit auseinander, dessen toxisches Erbe sich zunehmend wieder in den Köpfen vieler Menschen in Politik und Gesellschaft ausbreitet und das Denken vergiftet. Aus aktuellem Anlass orientiert sich Henze damit in seinem theologischen Grundverständnis an Dietrich Bonhoeffer, der als Humanist und Theologe ein scharfer Gegner des nationalsozialistischen Regimes war und dafür von den Nazis inhaftiert und schließlich im April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Als ehemaliger Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio und jetzt Reporter mit Schwerpunkt investigative Recherche beschwört Henze den Wert der Pressefreiheit als ein hohes Gut in einer demokratischen Gesellschaft. „Wir werden gebraucht für mehr Menschlichkeit und den Erhalt der Demokratie“.