162.000 Schilder für mehr Jobs

Die Belegschaft der Paracelsus-Klinik am Silbersee nahm auch an dem bundesweiten Protest teil.

Bundesweite Klinik-Protestaktion auch an drei Langenhagener Standorten

Langenhagen. 1.400 Krankenhäuser in ganz Deutschland, 92 in Niedersachsen und Bremen, die Paracelsus-Klinik, die Psychiatrie und die Geriatrie des Klinikums Region Hannover waren mit von der Partie. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat am Mittwoch Beschäftigte der Krankenhäuser zu einer bundesweiten Protestaktion vor den Kliniken aufgerufen. Damit machte ver.di auf die Personalnot, die Belastungssituation und ihre Folgen für die Patientenversorgung aufmerksam. Anlass war die Konferenz der Gesundheitsminister der Länder in Bad Dürkheim und des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin.
Nach einer Erhebung der Gewerkschaft ver.di fehlen in den Krankenhäusern 162.000 Beschäftigte, darunter 70.000 Stellen in der Pflege. Allein in Niedersachsen fehlen etwa 14.000 Stellen, in Bremen fehlen etwa 1.500 Stellen in den Kliniken. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, haben Beschäftigte bundesweit vor den Krankenhäusern von Flensburg bis Oberstdorf mittags 162.000 Schilder hochgehalten, die dem Personalbedarf der Kliniken aller Krankenhäuser entsprechen. Die Patienten hatte die Gewerkschaft mit Flugblättern über die Aktion informiert („Mehr von uns ist besser für Sie) . Die teilnehmenden 92 Kliniken repräsentieren mit mehr als 80.000 Beschäftigten etwa zwei Drittel der Einrichtungen in den beiden Bundesländern.
„Der Gesetzgeber darf die Gefährdung für Patienten und Personal nicht länger ignorieren. Wir brauchen endlich ein Gesetz mit einer verbindlichen Personalvorgabe und entsprechender Finanzierung, um eine gute Versorgung der Patienten dauerhaft zu sichern“, sagte ver.di-Landesfachbereichsleiter Joachim Lüddecke. Die Beschäftigten seien nicht mehr bereit, durch die extreme Dauerbelastung ihre eigene Gesundheit zu ruinieren. „Alle reden von Qualität. Für gute Qualität braucht man aber ausreichend Personal“, betonte Lüddecke.
Mit der Aktion machen die Beschäftigten ihrer Enttäuschung über den am 10. Juni vom Bundeskabinett vorgelegten Entwurf eines „Gesetzes zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung (Krankenhausstrukturgesetz)“ Luft. Hierbei wurden sie von zahlreichen Vorständen und Geschäftsführern der niedersächsischen und bremischen Krankenhäuser unterstützt. ver.di begrüßte es ausdrücklich, dass sowohl die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) als auch die Niedersächsische und Bremer Krankenhausgesellschaft die bundesweite Protestaktion an die Adresse der Gesundheitspolitiker aktiv unterstützt.