389 Tauben für den Baum

Die Godshorner feiern gemeinsam ein großes Friedensfest.

"Singen für den Frieden" läuft jetzt in Godshorn

Godshorn„Wir wollen Frieden für alle“ – ein schöner Wunsch, der sich in allen Sprachen der Welt singen lässt. Das Lied ist wohl unter seinem hebräischen Titel „Hevenu schalom alejchem“ am bekanntesten, aber gerade in diesen Tagen lässt sich die Melodie sehr gut auf ukrainisch singen. So auch beim Frühlings-Friedensfest am Donnerstagvormittag, als sich Kinder der Godshorner Grundschule vor dem Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Zum Guten Hirten zur Aktion „Singen für den Frieden“ treffen. Und den Frühling feiern, der ja eigentlich Hoffnung mit sich bringt.
„Die Aktion läuft seit drei Wochen“, erklärt Pastor Falk Wook. Jeden Donnerstag ziehen die Grundschulkinder mit dem berühmten Friedenslied auf den Lippen und tanzend durch die Straßen Godshorns, um ihrem Wunsch nach Frieden Ausdruck zu verleihen. Organisiert hat das Wooks Ehefrau Insa Becker-Wook zusammen mit den Klassenlehrerinnen der 4a und der 4c, Petra Jacobsen und Beatrix Reuter.
Doch an diesem Donnerstag kommen sie ganz bewusst zum Gemeindehaus, weil dort gerade der Deutschunterricht für Geflüchtete aus der Ukraine läuft. Singend in einer geordneten Schlange nähern sie sich dem Vorplatz und bilden einen Kreis. Kurz darauf kommen die Erwachsenen heraus und reihen sich in die Kinderschar ein. Während Petra Jacobsen auf dem Akkordeon die Melodie vorgibt, singen alle anderen im Chor das Friedenslied in mehreren Sprachen und andere Lieder.
Ein ukrainisches Mädchen geht in die 4c
In der 4c wird auch ein Mädchen aus der Ukraine betreut. Deutsch kann sie noch nicht. „Aber es gibt zwei Kinder in der Klasse, die russisch sprechen“, so Lehrerin Beatrix Reuter. In Mathe komme die Kleine schon gut mit, in anderen Fächern versuchen die Mitschülerinnen und Mitschüler zu helfen, auch durch den Alltag. „Sie sehen sich zum Beispiel Bilderbücher an“, berichtet Reuter. „Aber besonders über Musik geht ganz viel.“ Und so können die meisten Kinder den Refrain des Friedenslieds schon in allen drei Sprachen mitsingen. „Die gucken sich ganz viel voneinander ab.“
Auch wenn Krieg für Kinder eigentlich weit jenseits ihres Vorstellungsvermögens sein sollte, spüren sie doch deutlich, dass etwas in der Welt in Unordnung geraten ist. „Die Kinder wollen in dieser Situation ja auch was machen“, sagt Maren Hartmann, die das Friedens-Frühlingsfest vorm Gemeindehaus initiiert hat. Sie ist bei der Kirchengemeinde als Koordinatorin für das geplante Mehrgenerationenhaus angestellt, und zu der üblichen Netzwerkarbeit ist nun eben auch die Unterstützung Geflüchteter als momentan zentrale Aufgabe hinzugekommen. Und das Engagement der Kinder ist dabei eben ein wichtiger Baustein.
Schon 389 Tauben aus Papier, Wolle oder Stoff haben Kinder auch schon an dem Friedensbaum vor dem Gemeindehaus aufgehängt. Und der Sinn dieser Aktion bleibt ihnen durchaus im Gedächtnis. „Die suchen auch immer nach ihrem Vogel“, erklärt Hartmann. Das schafft zwar keinen Frieden in der Welt, aber vielleicht ein Bewusstsein für Frieden bei den Kindern. Für Nachschub für den Baum sei auch gesorgt, versichert die Koordinatorin. „Ich habe bereits 20 weiter Papiertauben in meinem Fach.“
Mit einem Tanz im Kreis zum Friedenslied geht das kleine Fest nach einer halben Stunde zu Ende. Nicht aber die Sing-Aktion. „Das wird noch die kommenden Wochen weiterlaufen“, verspricht Pastor Wook. Und vielleicht ziehen die Kinder dann ja auch noch einmal vor das Gemeindehaus, um gemeinsam mit den erwachsenen Ukrainern aus dem Deutschkurs für den Frieden zu singen.