40 Jahre Engagement

Den Kinderladen gibt es in Engelbostel seit 40 Jahren. (Foto: O. Busse)

7. Juli: Jubiläumsfeier im Kinderladen Engelbostel

Engelbostel. Wer betreut mein Kind? Wer glaubt, dass diese Frage aktuell die Gemüter beschäftigt, irrt. Schon 1972 stellten sich Eltern diese Frage, da sie keinen Platz im Kindergarten in Engelbostel bekommen hatten. Zu der Zeit gab es noch keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, aber die betroffenen Eltern ergriffen die Initiative und gründeten 1972 die „Eltern-Kind-Gruppe Engelbostel“ als Verein. Aus dieser Notsituation entstand somit der Kinderladen und hat sich in den letzten 40 Jahren als „Der etwas andere Kindergarten“ etabliert.
Die vierzigjährige Geschichte des Kinderladens ist sehr bewegt und immer geprägt durch das Engagement der Eltern. 1972 wurde das leerstehende Lebensmittelgeschäft Münkel in der Wilhelm-Hirte-Straße für 300 DM gemietet. Die damals noch selbstständigen Gemeinden Schulenburg und Engelbostel und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtverband bezuschussten den Verein, der aber nur durch die vielen ehrenamtlichen Stunden der Eltern betrieben werden konnte. Die pädagogische Leitung übernahm damals die staatlich geprüfte Erzieherin Irm Grebowicz, die auch als Mutter den Kinderladen mit gründete. Irm Grebowicz war bis 1985 als Erzieherin der damalige Eltern-Kind-Gruppe tätig. Nach der Gründung wurden in den darauffolgenden Jahren der Gruppenraum mit Kletterwand, Puppenraum, Werkraum und ein Spielplatz mit Sandkasten im Garten in Eigenarbeit der Eltern errichtet. Erst 1977 entstanden rund um den Kinderladen die heutigen Einfamilienhäuser. Finanziell war es in den Anfangsjahren schwer. 1978 stand der Kinderladen mit nur sieben Kindern in der Betreuung in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Verträge mit der Stadt Langenhagen, die einen Teil der laufenden Betriebskosten übernahm, halfen aber, die schwierige Situation zu überwinden. Im Gegenzug übernahm der Kinderladen die Gebührenordnung der Stadt Langenhagen mit damals 70 DM pro Kind. 1979 war der Kinderladen bereits wieder voll belegt und die Zukunft somit gesichert. In den folgenden Jahren haben die Eltern ihren „Kila“ immer wieder renoviert und weiter gestaltet. 1989 wurde eine zweite pädagogische Kraft eingestellt, denn bis dahin wurden die Kinder von nur einer Erzieherin, Praktikanten und den aktiven Eltern betreut. 1994 brach während einer Karnevalsfeier am 15. Februar ein Feuer aus, vernichtete das ganze Inventar und machte eine Fortführung des Kinderladens in den Räumen unmöglich. Die Emmaus-Gemeinde in Wiesenau half in der Not und stellte geeignete Räume zur Verfügung. Mit Spenden, Zuschüssen und Eigenleistung konnten die Eltern innerhalb von sechs Monaten ihren Kindern im Kinderladen wieder ein Zuhause in der Wilhelm-Hirte-Straße geben. 1998 wurde erstmals ein männlicher Erzieher durch die Eltern eingestellt, was damals wie heute noch eher die Ausnahme darstellte, pädagogisch aber sehr wertvoll ist. Auch heute arbeitet ein männlicher Erzieher im Team mit. 2001 wurde die Eltern-Kind-Gruppe Engelbostel umbenannt und erhielt ihren heutigen Namen mit neuem Logo. Mit Zuschüssen der Stadt und Eigenleistung der Eltern wurde das Außengelände 2009 neu gestaltet, da der Spielturm und andere Spielgeräte nicht mehr dem aktuellen Sicherheitsstandard entsprachen. Trotz neuem, tollem Spielplatz waren die Anmeldungen neuer Kinder in den letzten Jahren rückläufig, was aber an der zu kurzen Betreuungszeit lag. Im August 2011 änderte der Kinderladen seine Halbtagsbetreuung auf Dreivierteltagsbetreuung mit Spätdiensten und bietet damit eine Betreuung bis 15:30 Uhr an. Das half, den Kinderladen für berufstätige Mütter und Väter wieder attraktiv zu machen. Mit den verlängerten Öffnungszeiten wurde das Erzieherteam vergrößert. Heute werden die 18 Kinder professionell und liebevoll von Katharina Közle, Daniel Korth, Jennifer Hensler und dem Auszubildenden Florian Diesselhorst betreut und von Sylvia Schmitz köstlich bekocht.
Damals wie heute gab und gibt es Eltern, die das Fortbestehen des Kinderladens ermöglicht haben und möglich machen. 40 Jahre Kinderladen bedeutet somit auch 40 Jahre Eltern-, Getränke-, Wäsche-, Fahr-, Putz- und Gartendienste, Organisationen von Feiern, Vorstandsarbeit, alle 4 Wochen Elternabende, Vorstandsabende und regelmäßige Renovierungsaktionen. All das schreckte die Eltern, die sich für den Kinderladen entschieden haben, nicht ab. Das aktive Mitgestalten für ihre Kinder, das intensive Miterleben der Kindergartenzeit, die Gemeinschaft im Kinderladen und der Ort in der Wilhelm-Hirte-Straße als zweites zu Hause für die Kinder, ist es, was den Kinderladen anders macht - nämlich zu etwas ganz Besonderem.
Am Sonnabend, 7. Juli, ab 15 Uhr feiert der Kinderladen Engelbostel in der Wilhelm-Hirte-Straße 19 sein vierzigjähriges Bestehen. Alle Ehemaligen, Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen, mit dem Team, den Kindern und den aktiven Eltern des Kinderladens dieses Jubiläum zu feiern.