400 Stunden lang Deutsch gebüffelt

Die Kursteilnehmer haben sich intensiv auf die nicht einfache Prüfung vorbereitet.

Prüfung für VHS-Sprachkursus B 2 für Migranten steht in einem Monat an

Langenhagen (ok). Wie können neue Mitbürger mit Migrationshintergrund pragmatisch in den Beruf gebracht werden. Der Schlüssel ist wie so oft die Sprache, ohne ausreichende Deutschkenntnisse funktioniert das nicht. Und mit ausreichend ist nicht nur das Zertifikat der Stufe B 1 unter dem Stichwort „Deutsch für Zuwanderer“ gemeint. B 2 muss es schon sein, und dafür haben insgesamt 17 Teilnehmer jetzt 400 Stunden lang die deutsche Sprache gebüffelt. Und die Abschlussprüfungen sind nicht von Pappe, ein Drittel hat es im vergangenen Jahr nicht geschafft. Kursleiterin Heidrun Hartwig erläutert die Inhalte: „Die Teilnehmer müssen zum Beispiel zwei Geschäftsbriefe schreiben, werden sowohl schriftlich als auch mündlich und in Sachen Hörverständnis geprüft. Sprachbausteine müssen ergänzt werden. Teamarbeit ist auch wichtig, so haben wir zum Beispiel auch ein Konzept erstellt, um eine Bäckerei zu eröffnen.“ 350 Briefe hat die Lehrerin im Zuge der Prüfungsvorbereitung korrigiert; viele berufliche Themen wie Arbeitsvertrag, Krankenversicherung und Solidaritätsbeitrag spielen eine Rolle. Das Jobcenter schickt die Kandidaten je nach Vorkenntnissen, Motivation und Erfolgsaussichten. Eine sehr aussichtsreiche Kandidatin ist nach Einschätzung Heidrun Hartwigs die gebürtige Afghanin Farzana Nazari, die aber zuvor schon 17 Jahre in den Niederlanden gelebt und dort eine Banklehre absolviert hat. Sie ist mit einem Afghanen verheiratet, der hier als Bauingenieur einen Job gefunden hat, und möchte schnell wieder in den Beruf einsteigen. Anders sieht es beim jüngsten Kursteilnehmer, dem erst 21-jährigen Mohammed Hussin aus. Der junge Mann ist erst vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen, hat ein einjähriges Praktikum bei Volkswagen hinter sich gebracht und möchte gern den Beruf des Werkzeugmechanikers erlernen, hofft zum ersten Februar nächsten Jahres einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Heidrun Hartwig ist vom Lernfortschritt des jungen Syrers begeistert: „Das Schriftliche hat sich im Laufe des Kurses deutlich verbessert und auch mündlich läuft es.“ Auch wenn Mohammed Hussin selbstkritisch einräumt, dass es noch besser sein könne. Aber er hat aus nicht gerade optimalen Voraussetzungen sehr viel gemacht. Da es in Syrien keine Post gebe, kannte er das Modell „Geschäftsbrief“ gar nicht. Alles werde dort über das Telefon abgewickelt. „Lust auf den Kursus haben alle“, freut sich Heidrun Hartwig über das Engagement. Nach der Prüfung am 28. September geht es dann weiter – Fortbildungen, Ausbildungs- und andere Beschäfdtigungsverhältnisse. Und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.