"79 Prozent wollen 13-jährige Schulzeit"

Diskussion über Anforderungen an Bildungspolitik für Niedersachsen

Langenhagen. „Erwartungen an eine neue Landesregierung“ – unter diesem Motto hatte die SPD Langenhagen eingeladen, um über Anforderungen an frühkindliche und schulische Bildungspolitik in Niedersachsen zu diskutieren. Fast 40 Teilnehmer kamen ins Niet Hus in Kaltenweide und brachten ihre Vorstellungen und Ideen ein.
„Wir legen bewusst kein Wahlprogramm vor, sondern wollen im Dialog mit den Menschen in einem offenen Verfahren die verschiedenen Bereiche der Landespolitik diskutieren,“ sagte Marco Brunotte, Landtagsabgeordneter der SPD, zur Begrüßung und freute sich über die gut besuchte Veranstaltung. Zu Beginn gaben Susanne Kalbreier, Geschäftsführerin der AWO JuKi gGmbH, und Nils Johannsen, Sekretär bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), einen kurzen Themenüberblick.
Susanne Kalbreier sagte: „Wir brauchen starke Kommunen, die ihren Bildungs- und Betreuungsauftrag angemessen erfüllen können, und eine qualitative Verbesserung des Kitagesetzes.“ So müsse die Gruppengröße in den Kindergärten auf 20 Kinder gesenkt werden, es brauche andere Raumstandards und mehr Fachberatung. Für Krippen seien zwei Erzieherinnen bei 15 Kleinstkindern nicht hinnehmbar. Deshalb müsse die Drittkraft kommen oder die Gruppengrößen gesenkt werden.
Für eine Entschleunigung plädierte Nils Johannsen: „In der aktuellen Jako-o-Bildungsstudie des Sozialforschungsinstituts Emnid sprechen sich 79 Prozent der Befragten für eine Rückkehr zu einer 13-jährigen Schulzeit aus.“ Die GEW erwarte von einer neuen Landesregierung, dass sie endlich den Elternwillen berücksichtige und die Errichtung von Gesamtschulen erleichtere. Für neue Gesamtschulen müsse die verpflichtende Fünf-Zügigkeit aufgehoben werden. Zukünftig sollten nur noch gebundene Ganztagsschulen mit einer ausreichenden pädagogischen Qualität angeboten werden.
In der Diskussion wurde die Erwartungshaltung der Teilnehmer deutlich: Mehr Ressourcen für Bildung und elementare Veränderungen an den Rahmenbedingungen. Kinder müssten individueller gefördert werden können und mehr Zeit für ihre Persönlichkeitsbildung bekommen. Mit einem ganzheitlichen Bildungsbegriff sollte mehr Durchlässigkeit im Schulsystem erreicht und das Sitzenbleiben abgeschafft werden. Auch die Klassenfrequenzen müssten gesenkt werden. Eine neue Landesregierung müsse für mehr Gesamtschulen sorgen und die aktuelle Blockadehaltung überwinden.
Um den notwendigen Krippenausbau zu beschleunigen, müsse Niedersachsen die Kommunen stärker unterstützen. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien deutlich mehr Ganztagsplätze in den Kindergärten erforderlich. Nach Krippe und KITA sei eine verlässliche Betreuung durch Hort oder Ganztagsschule wichtig.
Die gesammelten Themen werden die Sozialdemokraten nun in den Prozess zur Erstellung ihres Programms zur Landtagswahl 2013 einfließen lassen. „Ich habe mich sehr über die Diskussion mit viel Engagement und Herzblut gefreut“, betont Marco Brunotte, „und nehme viele Anregungen und Meinungen mit.“ Bildung werde der Schwerpunkt einer sozialdemokratisch geführten Landesregierung sein. Dabei werde er sich als Abgeordneter für deutliche Verbesserungen engagieren.
Auf der Internetseite www.entdecke-niedersachsen.de können sich Interessierte an der Diskussion zum Wahlprogramm im Internet beteiligen. Im November 2012 soll auf der Grundlage des Dialogs abschließend das Regierungsprogramm der niedersächsischen SPD für die Jahre 2013 bis 2018 auf einem Parteitag beschlossen werden. Mit einer weiteren Veranstaltung in Langenhagen zum Thema Bildung werden die Sozialdemokraten dann ihre Inhalte im Programm vorstellen.