"Aber jetzt heule ich nicht mehr“

Das bunte Band zog sich als Symbol der Verbindung durch die ganze Woche.Fotos: O. Krebs

Godshorner Grundschüler machten ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Tod und Trauer

Godshorn (ok). Die Trauer an der Godshorner Grundschule war im Februar vor einem Jahr groß – ein Mitschüler war in Schulenburg ins Eis eingebrochen und ums Leben gekommen. Viele Tränen flossen, tröstende Worte wurden gefunden. Einer der besten Freunde des Jungen, der gestorben war, gehörte der damaligen 2 a an; Klassenlehrerin Yvonne Berger nahm seinen Vorschlag, sich in einer Projektwoche mit Tod und Trauer auseinanderzusetzen, gern an. In dieser Woche bekamen die Mädchen und Jungen der 3 a nun Besuch von vier verschiedenen Hospizdiensten und setzten sich behutsam mit dem Thema auseinander. Ein Thema, über das viele Erwachsene nicht gern sprechen. Die Kinder gingen unbekümmert heran, erfuhren viel über Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, aber auch vom Traurig-Sein, von Trost und Trösten. Sie sagten, was ihnen gut tut oder was sie krank macht. Und sie machten die Erfahrung, dass sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können. Vier diakonische Dienste sind an dem Projekt „Hospiz macht Schule“beteiligt, bei dem die Kinder lernen, mit ihrer Furcht umzugehen.. „Viele haben jetzt nicht mehr so viel Angst“, haben Ute Küßner und Klassenlehrerin Yvonne Berger im Verlauf der Woche bemerkt. Jedes Kind hat seine ganz eigenen Vorstellungen davon entwickelt, wie es nach dem Tod weitergehen soll. Der Engel spielte fast immer eine große Rolle. Er entscheide, ob es im Himmel oder in der Hölle weitergehe. „Durch Erfahrungen und Gefühle wird das Selbstbewusstsein gestärkt“, denkt Yvonne Berger. So wie das der achtjährigen Yasmin, die die Woche einfach cool fand, vor allen Dingen den Film „Willi will's wissen“, der einen Einblick in die für Kinder sicher nicht alltägliche Arbeit des Bestatters gab. Ihr Klassenkamerad Dominik war zuerst traurig, als er einen Toten in dem Film sah. Er dachte auch an sein Kaninchen, das er vor Kurzem beerdigen musste. „Aber jetzt heule ich nicht mehr“, sagte der Junge zum Abschluss der Woche. Kerzen anzünden, seiner Kreativität im Schlamm freien Lauf lassen oder auch „Der Himmel geht über allen auf“ als fester Bestandteil an jedem Tag – die Grundschüler nehmen eine Menge toller Erfahrungen aus der Projektwoche mit. Und das Einsingelied will Yvonne Berger als Anfangsritual beibehalten. „So bleibt das Projekt noch lange in unseren Köpfen präsent“,sagt die Pädagogin.