Abgefragt: deutlich unsicherer

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist zwar gesunken, aber trotzdem gibt es für die Zweiradfahrer laut einer Studie des ADFC wie in den Vorjahren noch viele Baustellen in der Flughafenstadt: Rudio Elfert (von links),Reinhard Spörer, Petra Brandt und Hans-Erich Welge. (Foto: O. Krebs)

Langenhagen im Fahrradklima-Test des ADFC

Langenhagen. Deutlich stressiger geworden ist das Radfahren in Langenhagen: Das ist die wesentliche Änderung in den Ergebnissen des Fahrradklima-Test des ADFC-Fahrradklima-Tests. 148 Langenhagener hatten an diesem Test teilgenommen, 27 Prozent mehr als vor zwei Jahren: Sie gaben in den Fragebögen auch an, dass sie eine deutliche Verschlechterung beim Radfahren auf Radwegen und Radfahrstreifen fühlen. Diese Aussage deckt sich mit den Erfahrungen der ADFC-Ortsgruppe Langenhagen, die eine erhöhte Gefährdung durch den stark angestiegenen Verkehr sieht, ohne dass entsprechende Erweiterungen des Verkehrsnetzes – auch für Radfahrende vorgenommen werden. Hierzu zählt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) insbesondere die schon jetzt zu enge Ortsdurchfahrt durch Schulenburg, die sich durch die bevorstehende Fertigstellung der großen Neubauten von Conti, DHL und Hempelmann nochmals zuspitzen wird. Hier hatte der ADFC schon mehrfach zur Absicherung von Fußgängern und Radfahrern als ersten Schritt eine Mittelinsel auf der Langenhagener Straße in Höhe der Dorfstraße gefordert.
Deutliche Verbesserungen gibt es in den Testergebnissen auch, allerdings nicht für die Radfahrenden, sondern für deren Fahrräder: Die Stadt Langenhagen hat in den letzten Jahren - vom ADFC unterstützt – jährlich rund 50 Fahrradbügel aufgestellt, so dass die Fahrräder jetzt sicherer angeschlossen werden können. Diese Benotung führte dazu, dass Langenhagen im bundesweiten Ranking der bundesweit 106 Städte vergleichbarer Einwohnerzahlen (50.000 bis 100.000) von Platz 55 auf Platz 43 aufgestiegen ist, bei unveränderter Gesamtnote von 3,9. Aber es zeigt sich am Beispiel der Bügel, dass die Umfrage-Teilnehme eingeleitete Maßnahmen erkennen und in ihren Antworten auch würdigen. Gerne können die Langenhagener selber Vorschläge für die Aufstellung weiterer Bügel auf öffentlichem Grund, aber auch bei Firmen, machen und diese einsenden an den ADFC Langenhagen, unter Email Langenhagen@ADFC-Hannover.de.
Der ADFC Langenhagen wünscht jedoch neben dem Bügelprogramm, dass in Zukunft deutlich mehr auch für die Sicherheit der Radfahrenden selber gemacht wird, also die bereits angekündigten Maßnahmen wie der Fahrradschnellweg von Hannover bis Kiebitzkrug zügig umgesetzt werden und vorrangig durch weitere Maßnahmen an den vorhandenen Gefährdungsstellen ergänzt werden. Daneben geht es natürlich auch darum, dass Radfahrende zügig vorankommen: Die Ampelschaltungen für Radfahrende in Langenhagen wurden mit der schlechtesten Note (4,6) bewertet: Dieses auch im Vergleich zu anderen Städten sehr schlechte Note ist allein durch die Ampelschaltungen am Berliner Platz und an der Ampelkreuzung in der Nähe des Bahnhof Langenhagen Mitte gerechtfertigt.
Besonders dankbar ist die ADFC-Ortsgruppe Langenhagen für die vielen abgegebenen individuellen Antworten zum Fragebogen: Diese beinhalten viele Details für Langenhagen wie die abgenutzte Fahrbahn-Markierung an der Radweg-Unterführung am Berliner Platz, unsichere Ampelschaltungen beziehungsweise Ampeln, wo erst gedrückt werden muss, der teilweise sehr schlechte Zustand mancher Radwege (Fahren auf dem Radweg als Massage) und deren nicht durchgängig vorhandene Führung: Diese Punkte werden weiter vom ADFC aufgegriffen und zum Beispiel in den Verkehrsausschuss eingebracht, in dem der ADFC als beratendes Mitglied teilnimmt. Aber die Langenhagener können natürlich für die weitere Verbesserung natürlich auch selber den sehr gut funktionierenden Mängelmelder der Stadt Langenhagen benutzen und sich so direkt an die verantwortlichen Stellen wenden. Und ein Wunsch trat besonders oft in den individuellen Antworten auf: Alle Verkehrsteilnehmer, egal ob im Kraftfahrzeug, per Rad oder zu Fuß, sollten sich nach Auffassung des ADFC deutlich mehr an bestehende Regeln wie Vorfahrtgewährung besonders beim Rechtsabbiegen, Rotlichtbeachtung, seitlicher Abstand von 1,50 Metern – bei Kndern zwei Meter – Benutzung der richtigen Fahrbahn und die Einhaltung der richtigen Fahrspur an Ampeln halten. Allein das würde – auch nach Meinung des ADFC – das Unfallrisiko, besonders für die ganz jungen und die älteren ungeschützten Verkehrsteilnehmer auf dem Rad, deutlich senken. Defensives Fahren tue allen gut.
Am häufigsten wurde in den individuellen Antworten gewünscht, dass Politik und Verwaltung sich noch öfter selber aufs Rad setzen und so die Situation ums Rad selber „erfahren“: Gelegenheit bietet der ADFC ja zum Beispiel mit seinen Radtouren ja genug, und deshalb hat er alle Mitglieder des Rates und des Verkehrsausschusses auch gleich zu einer besonderen Radtour eingeladen: Am Sonntag, 5. Mai, startet um 10 Uhr am Rathaus-Langenhagen die nächste Neubürger-Erkundungsradtour durch alle Ortsteile Langenhagens, für „Neue“ in Langenhagen, und natürlich auch für alle, die sich auch nach Jahren/Jahrzehnten in dieser Stadt „neu“ genug hier fühlen.
Im Herbst 2020 startet der ADFC-Fahrradklima-Test wieder, dann schon zum fünften Mal: Wenn dann wieder so viele Langenhagener teilnehmen, oder sogar mehr, lassen sich Änderungen der Situation ablesen. Als Basis für die deutliche Steigerung des Radverkehrs sieht das ADFC Langenhagen sein passendes Motto: „Rauf aufs Rad – aber sicher!“
Mehr zum Klimatest und zum Radfahren unter www.ADFC-Langenhagen.de.