Ärgernis oder gebündelte Lebensfreude?

"In den nächsten anderthalb Wochen wird man auch hier im Norden an der einen oder anderen Stelle auf den Karneval stoßen. Dabei gehen die Meinungen im persönlichen Umfeld weit auseinander. Die einen freuen sich auf einzelne Karne-
valsitzungen im Fernsehen oder vielleicht sogar auf eine Faschingsfeier im Verein oder im Privaten. Kinder freuen sich über den Spaß und das Verkleidenkönnen. Auch innerhalb und zwischen den christlichen Konfessionen und Gruppen gehen die Meinungen zum Fasching auseinander. Gibt es eine Verbindung von Glaube/ Kirche und Karneval? Wenn man einmal von den Ursprüngen dieser fünften Jahreszeit absieht, findet man unter anderem im Internet folgende unterschiedliche Positionen kirchlicher Vertreter: 'Jesus hatte Humor, also darf Jeder von uns nach eigener Lust ernst oder lustig sein.' Karneval ist ein Fest, dass niemals zur
Ehre des Herrn sein kann. Es ist sogar ein Fest, das in den Augen Gottes ganz abscheulich ist. Für die einen sind Karnevalsveranstaltungen im Extrem ein Nährboden für Alkohol, Ausschweifung, Völlerei, ja wörtlich: Hurerei,
und Ehebruch, und für die anderen eine Form überschäumender Lebensfreude;
Lachen ist hier Ausdruck einer Freude, zu der wir Christen allen Grund haben. Mitunter aber gehen die Meinungen auch über die Verbindung von Glaube und Karneval auseinander. Ist es richtig, wenn die Kölner Kult-Band Brings in diesem Jahr im Karneval den Song „Hallelujah“ singt? Wenn in manchen Gemeinden Kinder in Verkleidung zum Gottesdienst eingeladen werden? Wenn ich in verschiedenen Jahren die Predigt am Karnevalssonntag in Reimform gehalten habe? In meiner katholischen Tradition kann ich nicht verhehlen, dass die Faschingszeit für mich in Beziehung zur Fastenzeit steht. Mit Theresa von Avila denke ich: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten.“ Ob ich mich in den Formen des Anstands von der Freude oder dem Ernst leiten lasse, oder ob ich für Karneval offen bin oder eher vor ihm flüchte – wir sind doch zur Freiheit berufen. Wer Konfetti und Pappnasen hasst, der lache das närrische Treiben getrost aus. Wer aber Spaß an der offiziellen Lustigkeit hat, dem drückt unser Herr selbst eine Luftschlange in die Hand: 'Werdet wie die Kinder, die den Fasching lieben.'“

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer