„Afrika ist viel positiver“

Wieder auf heimischem Boden: Martin Grohganz (links) und Uwe Thomas Carstensen mit ihrem Rosenflieger nach der Landung. Foto: D. Lange

Piloten beenden ihren Afrikarundflug in Langenhagen

Langenhagen (dl). Pünktlich schwebt die kleine Cessna Stationair von Westen her ein und zieht im Tiefflug über der Landebahn am General Aviation Terminal vorbei, wo bereits das Empfangskomitee, allen voran die beiden Ehefrauen der Afrikaflieger sowie Freunde und Verwandte, ungeduldig auf die Ankunft der Maschine warten. Nach einer Platzrunde kommt der Rosenflieger – so genannt wegen seiner auffälligen Lackierung, die auf eine Idee von Maria Carstensen zurückgeht – dann endlich zum Stehen. Natürlich werden die beiden Piloten zuerst von ihren Frauen, Katlen Grohganz und Maria Carstensen, freudestrahlend begrüßt. Immerhin zwei Monate dauerte der Rundflug über den afrikanischen Kontinent, und die Maschine legte dabei 15.628 nautische Meilen zurück, das entspricht rund 28.000 Kilometern. Auf letzten Etappe von Südfrankreich nach Hannover funktionierte dann wohl das Satellitentelefon nicht richtig, mit dem die Piloten Uwe Thomas Carstensen und Martin Grohganz während der ganzen Reise ständig mit ihren Frauen in Kontakt standen. „Sie haben heute schon fünfmal angerufen, aber wir kriegen keine Verbindung“, sagt Maria Carstensen.
Auf das übliche Begrüßungsbier nach der Landung müssen Carstensen und Grohganz aber nicht verzichten – die Frauen haben vorgesorgt und zwei Flaschen „Herri“ mitgebracht. „Ziemlich kalt ist es hier“, stellt Uwe Thomas Carstensen fest, und beide Piloten versuchen in ersten kurzen Worten an die zahlreichen Medienvertreter ihre Reiseeindrücke zusammenzufassen. „Wir können jetzt schon sagen, dass das Bild, das sich Europa vom afrikanischen Kontinent macht, häufig mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat. Afrika ist viel positiver, als wir glauben“, so Carstensen, und Martin Grohganz ergänzt: „Die Menschen, die freundlich und aufgeschlossen sind, verfolgen ebenso wie wir sehr aufmerksam die derzeitigen politischen Veränderungen im Norden.“ Auch die Natur habe ihn überwältigt: „Als wir die Serengeti in geringer Höhe überflogen, sahen wir ganze Giraffen- und Elefantenherden.“ Uwe Thomas Carstensen berichtet von extremer Hitze in Khartoum im Sudan, von Tropengewittern im Kongo und einem Sandsturm mit Windstärke 9 in Namibia. „Es fühlte sich an wie ein Sandstrahlgebläse und ich hatte Sorge, dass der Sand den Lack von der Maschine schmirgelt. Wir haben uns nur schnell unsere Einreisestempel abgeholt und sind gleich weiter geflogen Richtung Windhoek.“ Dort endete am 28. November die erste Hälfte der Afrikareise.
Das Flugzeug wurde sorgfältig gewartet, und nach einer zweimonatigen Unterbrechung, die Carstensen und Grohganz in Deutschland verbrachten, starteten sie Anfang Februar zum zweiten Teil ihres Afrikarundfluges. Die unsicheren politischen Verhältnisse in den an die Sahara angrenzenden Staaten machten allerdings eine Änderung der ursprünglich geplanten Flugroute unumgänglich. „Wir hatten für diesen Fall bereits einen Plan B in der Tasche, und mit Hilfe unserer Agenten vor Ort konnten wir alle erforderlichen Genehmigungen und auch den Sprit für das Flugzeug bekommen“, sagt Martin Grohganz. „Manches dauerte nur etwas länger. Die Landegenehmigung für Dakar bekamen wir erst fünf Minuten vor dem Start in Bamako im Süden Malis.“
Dakar war gleichzeitig auch die letzte Station auf dem afrikanischen Kontinent. Von dort aus ging es in einem knapp siebenstündigen Flug übers Meer nach Gran Canaria. Auf die Frage, wie es denn sei, alle zwei bis drei Tage mehrere Stunden auf Tuchfühlung in einem kleinen Flugzeug zu sitzen, antworten beide übereinstimmend: „Wir sind zwei ältere Herren aus der 68er Generation – Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und Streit gibt’s da nicht.“
Die Afrikareise von Uwe Thomas Carstensen und Martin Grohganz diente nicht ausschließlich touristischen Zielen, sondern erfüllte nebenbei auch eine Botschafterfunktion. Das Ehepaar Carstensen gründete 2005 die MUT-Stiftung, die unter anderem Projekte der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) vornehmlich in Ostafrika unterstützt. Die in Hannover ansässige DSW ist eine Entwicklungshilfeorganisation, die mit Aufklärungsprojekten in Äthiopien, Kenia und Tansania die Menschen dort vor ungewollten Schwangerschaften und vor allem vor einer weiteren Ansteckung mit HIV schützen will. „Wir haben die Projekte der DSW dort besucht und sind sehr froh darüber, dass wir den Menschen eine bessere Lebensperspektive geben und ihnen dabei helfen können, sich aus der Armut zu befreien“, so Carstensen. Gemeinsam mit seiner Frau überreichte er anschließend dem DSW-Vorstandsmitglied Knut Gerschau einen Scheck über 80.000 Euro für deren nachhaltige Entwicklungshilfe in Afrika.