All inklusive

All inklusive ist ein Zauberwort der Tourismusindustrie. Viele Urlauber buchen, das Komplettangebot, weil sie meinen, damit besonders günstig und umfassend den vollen Genuss zu erwerben. Aber die Wirklichkeit sieht dann oft anders aus: Die Essensituation gleicht eher der einer Kantine. Vom ökologischen Standpunkt wird das Ganze sogar bedenklich. Es wird bestellt, was das Zeug hält. Der Rest bleibt einfach liegen, oder stehen – wir weggekippt – wir sind ja all inklusive.
Auch in unserer Alltagswelt erleben wir diesen Hang zum „ich will alles und das sofort. Ich habe meinen Vereinsbeitrag geleistet, meine Kirchensteuer gezahlt; dafür will ich den 'vollen Service' sofort."
Dagegen steht die Idee eines bürgerschaftlichen Engagements oder der gelebten christlichen Gemeinschaft. Im Vereinsleben oder Gemeindeleben einer Kirchengemeinde könnte dies bedeuten, neben dem finanziellen Beitrag auch ehrenamtlich mitzuarbeiten, dafür zu sorgen dass Gemeinschaftsleben gelingt. Nur durch den Grundbeitrag allein lässt sich kein all inklusives Erlebnis herstellen. Auch wenn wir uns das eine Zeit lang vorgemacht haben. Alle müssen feststellen, dass es Höhen und Tiefen im Leben- gibt, keiner den Dauerprofit, das Wirtschaftswachstum, die Vollbeschäftigung für immer alsa All-inklusive-Leistung erhält. Und all diejenigen, die bisher auf der perfekten Welle des immer höher, immer besser, immer schneller mit geschwommen sind, merken, dass heute selbst der sicherste Arbeitsplatz gefährdet ist, das größte Bankhaus zusammenbricht und dass Besitztümer und Geldwerte plötzlich wertlos werden.
Jahrzehntelang sind wir der „All-inklusive-Hoffung" erlegen. Gezockt wurde und wird immer noch auf den Finanzmärkten, bis uns Hören und Sehen vergeht. Das Geld, das inzwischen kaum noch einen realen Gegenwert hat, sondern sich fast ausschließlich aus Krediten gegenfinanziert, wird in Turbo-Zyklen von wenigen Finanzmaklern verspielt. Die Kosten dieser „Freiheit“ trägt dagegen letztlich die gesamte Gesellschaft, vor allem die nächsten Generationen, gerade im geeinigten Europa. Bisher wurden die bestehenden Gegensätze zwischen Arm und Reich in den einzelnen Ländern nur einander angeglichen, aber nicht ausgeglichen.
Der einzelne Bürger scheint da kaum etwas machen zu können. Hilflos sind wir dem Zocken der Finanzindustrie ausgeliefert. Selbst die Politik läuft kopflos hinterher. Das macht Angst. Angst auf der Verliererseite zu stehen. Hier sind Politik, aber auch Kirche aufgerufen, sich einzumischen und dem bösen Treiben Einhalt zu gebieten.
Für uns ganz persönlich aber können wir festhalten, dass schwierige Lebenssituationen immer Teil unseres menschlichen Lebens sind. Glückserfahrungen sind tiefgehender zu erleben sind, wenn wir auch die Tiefen des Lebens kennen. Tröstend klingt da ein Satz aus dem Johannesevangelium, wo es im 16 Kapitel heißt: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Und Martin Luther weist uns darauf hin, dass wir nicht durch unsere Leistungen, oder durch dass, was wir uns leisten können, vor Gott ein sinnvolles Leben führen, sondern unser Leben nur aus der Liebe und Güte Gottes heraus gelingen kann. Und das lässt sich nicht all inklusive oder aus der Tüte „instant“ einkaufen, sondern nur in der Erfahrung von Freude und Leid. Das ist Ernte unseres Lebens. Dafür Erntedank.

Falk Wook, Pastor