„Alles höher als Hüfte ist Hollywood“

Trainieren intensiv den Messerkampf: Marco Brandes (links) und Frank Grawe. (Foto: O. Krebs)
 
Techniken am Boden: Frank Grawe und Dario Brandes (rechts). (Foto: O. Krebs)

„Street und Knife Defense“ – Training bei MBL-Security & Service

Langenhagen (ok). Oft bleiben nur Sekundenbruchteile, um die richtige Entscheidung zu treffen. Und dann muss es richtig schnell gehen. Vor allen Dingen, wenn der Angreifer auch noch bewaffnet ist. Ein wahrer Experte im sizilianischen Messerstil „Santa Maria“ ist Frank Grawe, der mit seinem „German Knife Defense Team“ gerade internationaler Meister in Italien geworden. Und Grawe, der auch die Mitarbeiter von MBL- Security schult, sagt ganz klar: „Es gibt keine Messerabwehr.“ Wichtig sei es, sich wie ein Messerkämpfer zu bewegen. Ganz wichtig dabei: keine Angriffsfläche bieten, immer Kontakt zum Boden behalten und den Gegner nie aus den Augen verlieren. Die wichtigste Rolle spielt auch bei unbewaffneten Angriffen immer die Distanz zum Angreifer. Bei weiter Entfernung helfen da etwa Fußtechniken und Tritte. Nur: „Alles, was höher als Hüfte ist, ist Hollywood“, sagt Grawe. Bei mittlerer Entfernung wird die Faust eingesetzt und aus der Nähe Ellenbogen, Knie und Kopf. Es muss speziell in einer lebensbedrohlichen Notsituation auf der Straße - und nur hier darf man über solche Techniken überhaupt sprechen- schnell und effektiv zugehen. Besonders Frauen, die angegriffen werden empfiehlt MBL-Geschäftsführer Marco Brandes einen Schlag mit der so genannten Hammerfaust auf die Nase oder einen Stoß mit dem Handballen unter die Nase, das sorgt für den Überraschungseffekt. Die Augen, Nase, Ohren, Kehlkopf und der Unterleib das sind Primärpunkte, die anvisiert werden können.  „Ein Pressschlag mit den hohlen Händen auf die Ohren und der Angreifer hat keinen Spaß mehr“ sagt Brandes. Auch die eigene Uhr ist immer eine gute Waffe, die Wunder wirken kann. Genauso wie übrigens eine hart zusammengerollte Zeitung, „ am besten das ECHO, das auch einen Schlagstock ersetzen kann“ sagt Brandes mit einem Augenzwinkern. Dario Brandes, der das Familienunternehmen MBL seit einigen Jahren komplettiert, ergänzt: „Frauen mit langen Fingernägeln können auch gut die Reiß- und Kratztechniken anwenden. Oder eben auch ein Pfeffergas einsetzen, das in jedem Fall zum Inhalt einer jeden weiblichen Handtasche gehören sollte“. Frank Grawe weiter im Gespräch mit dem ECHO: „Messerkampf ist die Strategie der kürzesten Wege.“ Das Messer kann „gefegt“, also weggewischt werden und dann gilt zunächst der Schutz der Halsschlagader. Der Autor dieses Artikels kann das bestätigen, er war im Selbstversuch aktiv und passiv dabei. Und hat eine Menge Tricks und Kniffe dazugelernt, die er hoffentlich nie anwenden muss. Und wie gesagt: „Das alles gilt nur für extreme Angriffe, bei der täglichen Arbeit – etwa von Sicherheitskräften– sieht das schon ganz anders aus.“ „Unsere Mitarbeiter werden neben den Messerabwehrtechniken nach wie vor in den traditionellen Kampf- und Verteidigungssportarten geschult. Im kommenden Jahr will er zusammen mit Frank Grawe und weiteren Partnern Sicherheitsseminare für Firmen und ihre Mitarbeiter anbieten, bei denen nicht zuletzt die Prävention mit viel Theorie eine große Rolle spielt. Eines ist klar: „Wichtig ist es, nicht abgelenkt zu sein, seine Sinne zu schärfen, Gefahren zu erkennen und somit Risiken vorzubeugen.“ Das ist MBL-Chef Marco Brandes eindeutiges Fazit. Er hat vor vielen Jahren in Peine mit dem Shotokan Karate begonnen und später auch Jiu- Jitsu trainiert. Brandes: „Aber das ist alles auf der Straße nicht zuletzt durch die zunehmend bewaffneten Angreifer oft nicht mehr ausreichend. Da gelten leider schon lange andere Regeln als auf der Wettkampffläche.“