„Als Resolution an den Parteikollegen Althusmann“

Demnächst offene Ganztagsschule: die Grundschule in Engelbostel.Foto: A. Hesse

Mehrheitsfraktion watscht CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Marco Zacharias kräftig ab

Langenhagen (ok). Er hatte sich alles so schön zurechtgelegt, im Vorfeld an seiner Rede gefeilt und war dann gut präpariert das erste Mal nach seiner Wahl zum CDU-Stadtverbandsvorsitzenden in die Bütt gegangen. Nach seinem Vortrag musste Marco Zacharias allerdings erkennen, dass ein recht scharfer politischer Wind im Rat der Stadt Langenhagen weht.Die Mehrheitsfraktion haute ihm seine Worte um die Ohren, stellte den 22-Jährigen, der sein Amt mit großen Worten angetreten hat, bloß. Grund war allerdings nicht unbedingt der Inhalt der Rede, mit dem waren SPD und Grüne durchaus einverstanden, vielmehr der Adressat der Botschaft von Zacharias stieß der M ehrheit im Rat sauer auf. Wie alle anderen Vertreter im Rat auch begrüßte Marco Zacharias, dass sich die Brinker Schule und die Grundschule in Engelbostel dazu entschlossen haben, offene Ganztagsschulen zu werden. Beide Konzepte hätten überzeugt, für beide Schulen werden im kommenden Jahr jeweils 40.000 Euro zur Verfügung gestellt. Nur: Zacharias ging das „bloße Angebot einer freiwilligen, offenen Ganztagsschule“ nicht weit genug, „Für uns steht das Kind und damit nicht nur seine adäquate Betreuung, sondern vor allem seine pädagogisch kompetente Begleitung im Mittelpunkt“, sagt Zacharias. Und weiter: „Personen ohne pädagogischen Hintergrund, die in der Regel in einem Arbeitsverhältnis stehen und daher keine kontinuierliche Arbeit mit den Kindern garantieren können, werden Lehrer, Sozialpädagogen und andere Fachleute nicht ersetzen können. Wir laufen hier Gefahr, eine bloße Betreuungseinrichtung zu schaffen, die den Anforderungen an gute Bildung nicht gerecht wird.“ Sätze für die Zacharias von Werner Knabe (BBL) – pikanterweise sein früherer Klassenlehrer am Langenhagener Gymnasium – einen dicken Rüffel erhielt. In der Schule hieße es wohl übertragen „Setzen Sechs“. Auch „engagierte Quereinsteiger“ können nach Ansicht Knabes „gute und gezielte Arbeit“ leisten. Mit Hohne und Spott überzog Dirk Musfeldt (Grüne) die Rede des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden, merkte an, dass das Angebot der Landesregierung unzureichend sei, die Stadt deshalb selbst für kompetente pädagogische Betreuung sorgen müsse. Süffisant sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Richtung von Marco Zacharias: „Wenn Sie Ihre Rede schriftlich verfassen, können wir sie als Resolution an Ihren Parteikollegen Althusmann schicken.“ Karl-Heinz Dahlke (SPD) schlug in die gleiche Kerbe, sagte, dass der Begriff Ganztagsschule für das Land nur eine „Worthülse“ sei, und es der richtige Schritt sei, diese jetzt mit Leben zu erfüllen. Mit seiner Rede solle Zacharias lieber auf dem nächsten Landesparteitag antreten, der Rat der Stadt Langenhagen sei der falsche Ansprechpartner. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mirko Heuer versuchte seinen Parteifreund noch zu verteidigen, indem er von fehlenden baulichen Voraussetzungen sprach, drang damit allerdings nicht richtig durch. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Marc Köhler stellt die offene Ganztagsschule gerade für kleinere Schulen eine Existenzsicherung dar; er führte als Beispiel Krähenwinkel an. Der Beschluss, die beiden Grundschulen in offene Ganztagsschulen umzuwandeln, wurde schließlich einstimmig auf den Weg gebracht.