Alte Strukturen an die Neue Normalität anpassen

IGS-Abschlussklassen fordern das Aussetzen der Prüfungen

Langenhagen (ok). Die Grundrechte auf Gleichberechtigung und Bidungschancengleichheit können ihrer Meinung nach in Zeiten von Covid 19 nicht umgesetzt werden. Und so fragen sich viele Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen an der IGS Langenhagen, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, in einem Offenen Brief, unter anderem an den Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne: "Hat das Demokratieverständnis in unserer jetzigen Situation Bestand?" Viele Schüler fragten sich, ob sie sich zwischen ihrer Zukunft oder dem Schutz der Gesundheit ihrer Familie entscheiden müssen. Die "Neue Wirklichkeit" sei nervenzerreißend, traurig und ungewohnt, die Schülerinnen und Schüler seien sehr verunsichert und fühlten sich unwohl. Amelie Pardo Cordes spricht für ihre Mitschüler, die den Offenen Brief unterzeichnet haben: "Die Lehrmethoden sind noch nicht so ausgereift, sodass wir uns nicht genügend auf die Abschlussprüfungen vorbereiten können." Es fehle einfach der Austausch zwischen Lehrer und Schüler, die Überprüfung der eigenen Leistung sei durch die räumliche Trennung schwer umsetzbar. Inhalte würden missverstanden und durch die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten falsch gelernt. Amelie Pardo Cordes: "Wir werden nicht mehr zu einer Normalität wie vor Covid 19 zurückkehren. Die alten Srukturen müssen an die Neue Normalität angepasst werden. Daher hinterfragen wir, ob in diesem Fall die Abschlussprüfungen systemrelevant sind." Der aktuelle Schulalltag biete noch nicht die situationsangepassten Lösungen für eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen. Der Unterricht finde nur jeden zweiten Tag statt,die Einteilung in E- und G-Kurse sei ausgesetzt, und pro Schultag werde ein Fach in fünf Stunden behandelt. Einige Schüler könnten den Unterrichtsstoff deshalb nicht mehr so gut aufnehmen.  Wie in Berlin oder Nordrhein-Westfallen sollen die Abschlussprüfungen ausgesetzt oder bei einer schlechten Abschlussprognose auf freiwilliger Basis laufen.
Jessica Golatka, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes und christdemokratische Ratsfrau, kann die Ängste und Sorgen der Schüler durchaus nachvollzuziehen, gerade, was das Gefühl der Benachteiligung angehe.  Aber sie zieht auch Vergleiche zu ihrem Berufsleben und ihrer Tätigkeit als Kommunalpolitikerin. Unsicherheiten und Einschränkungen begleiteten alle – egal, ob Kommunalpolitiker, Berufstätige und eben auch Schüler. Die Corona-Krise dürfe aber nicht dazu führen, dass beispielsweise Projekte nicht liefen, politische Entscheidungen ausgesetzt oder Abschlussprüfungen abgesagt würden. Jessica Golatka: "Auch, wenn die Verunsicherungen uns begleiten, ist es wichtig, dass wir weitermachen. Wir müssen lernen, mehr Rücksicht zu nehmen, größeren Abstand zu halten, und mit den Entbehrungen müssen wir leben lernen. Aber eins sollten wir auf keinen Fall tun: Wir sollten nicht den Kopf in den Sand stecken."
Nach Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht aus dem Kultusministerium, dass die eigentlich verbindlichen mündlichen Abschlussprüfungen für die Jahrgänge neun und zehn für dieses Jahr abgesagt worden sind. Die Schüler können freiwillig Prüfungen ablegen,;vor allen Dingen, wenn sie einen höheren Abschluss erreichen wollen. Sie werden dabei von den Lehrern beraten. Die Sprachprüfungen in Englisch finden aber weiterhin statt.