Anliegerprotest trotz Gutachten

Ausbau der Brinker Straße wird zum Zankapfel

Langenhagen (gg). Als echtes Nadelöhr ist die Bahnunterführung Brinker Straße seit Jahrzehnten bekannt, die Breite reicht entweder für beidseitigen Autoverkehr oder für beidseitigen Fahrradverkehr, aber nicht für beides. „Die aktuell bestehende Verkehrsführung zwingt Radfahrer zur Ordnungswidrigkeit“, mahnte schon vor drei Jahren der Verkehrsexperte Thomas Müller von der Ingenieurgemeinschaft Dr.-Ing. Schubert aus Hannover bei der Präsentation und Erläuterung des von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenen Verkehrsentwicklungsplans. Seine Empfehlung war, dort schnellstens eine Änderung herbei zu führen. Mit aktuellen Zahlen zum Verkehrsaufkommen aus dem Jahr 2012 untermauerte Stadtbaurat Carsten Hettwer in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses die Gültigkeit des Verkehrsgutachtens: „Von drei möglichen Radfahr-Verbindungen zwischen Godshorn und dem Schulzentrum benutzen die meisten Schüler die Brinker Straße. Wir haben dort 700 Schüler pro Tag gezählt, auf der Vinnhorster Brücke sind es 200 pro Tag und ebenfalls 200 pro Tag auf der Godshorner Straße. Die bestehende Verkehrsführung entspricht nicht dem geltenden Recht, daraus und aus dem vom Rat bestätigten Verkehrsgutachten ergibt sich Handlungsbedarf.“ Erarbeitet hat die Verwaltung daher einen Plan zum Ausbau des Rad- und Gehwegs an der Nordseite der Brinker Straße zwischen Vinnhorster Straße und Hans-Böckler-Straße. Dieser Plan wurde inzwischen von Jürgen Sporleder, Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr Schlothauer & Wauer aus Leipzig, im Auftrag der Stadtverwaltung überprüft. Eine Simulation der aktuellen Verkehrsmengen wurde durchgeführt. Das Ergebnis stellte Sporleder in der Sitzung vor, er erklärte die Vorteile der geplanten Verkehrsführung.
Was fachlich begründet ist, muss in der Konsequenz noch lange nicht verstanden werden – das jedenfalls offenbarten die Kommentare der Anlieger, die in der Einwohnerfragestunde jede Änderung der Verkehrsführung als Verschlechterung des Ist-Zustands bewerteten. Die Rechenergebnisse aus der Simulation wurden ebenso angezweifelt wie die richtige Platzierung der neuen Ampelanlage. „In Abwägung des möglichen Finanzmitteleinsatzes verbietet sich die von Anliegern geforderte Verbreiterung der Brücke oder der Bau einer zusätzlichen Tunnelröhre für Fahrradfahrer“, kommentierte Hettwer.
Geplant ist nun ein wechselseitiger Kraftfahrzeugverkehr auf einer Fahrspur und ein Ausbau eines kombinierten Geh- und Radweges (drei Meter Breite), der in beiden Richtungen zu befahren ist. Ampelanlagen an den Knotenpunkten sollen einen staufreien Verkehrsfluss gewährleisten. Die Gesamtkosten für die Umbaumaßnahmen sind mit 250.000 Euro veranschlagt.
Wann es zu einem Beschluss des Ausbauplans kommt, ist unklar. Von der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses am 28. Januar wurde der Ausbau Brinker Straße wieder gestrichen.