"Artenvielfalt entwickeln sich positiv"

Über alle Altersklassen haben Mitglieder des NABU Langenhagen an der digitalen Mitgliederversammlung teilgenommen. (Foto: R. Stankewitz/NABU Langenhagen)

Erste digitale Mitgliederversammlung beim NABU Langenhagen

Langenhagen. Die Mitgliederversammlung des NABU ging erstmals digital über die Bühne. Der Blick auf 2020 mag vielen düster erscheinen. Tatsächlich konnte durch die Pandemie weniger stattfinden als geplant. Dennoch: Der NABU ist trotz Corona aktiv und 2020 ist viel Positives passiert.
Das Volksbegehren „Artenvielfalt“ war ein großer Erfolg. Ziel war eine Verbesserung des gesetzlichen Naturschutzes in Niedersachsen. Anstelle der 25 000 benötigten Unterschriften haben bereits in der ersten Phase 162 530 Menschen unterzeichnet. Ganze 1 195 Stimmen, also etwa 0,7 Prozent davon, stammen aus Langenhagen. „Für eine niedersachsenweite Aktion ist das ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können, und wir bedanken uns bei allen, die unterschrieben haben“, freute sich der erste Vorsitzende Ricky Stankewitz bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2020. Das Thema Artenvielfalt gelangte so auf der landespolitischen Agenda ganz nach vorne und die Ziele des Volksbegehrens konnten sogar vorzeitig erreicht werden. Also: Engagement lohnt sich.
Die lokalpolitische Entscheidung, die Brachfläche des ehemaligen Garten-Centes zu begrünen, begrüßt der NABU Langenhagen, obgleich hier aus Sicht der Naturschützer die Bepflanzung mit heimischen Arten anstelle der geplanten Bäume aus Asien und Südeuropa ökologischer wäre. Kritisiert wird hingegen die Legalisierung der Oberflächenversiegelung, um mehr Parkräume zu schaffen. Insgesamt fanden die Bebauungspläne Langenhagens für die kommenden Jahre wenig Anklang. „Wir plädieren für mehr Naturräume und fordern daher eine Aktualisierung des Landschaftsplans noch vor einem Beschluss zum ISEK 2030“. sagte Felix Hartmann, der im Jahr 2020 die Naturschutzinteressen im Stadtplanungs- Bau- und Umweltausschuss für den NABU vertreten hat.
Zu den Vereinsprojekten berichtete Stankewitz: „Die Artenvielfalt in Langenhagen entwickelt sich vielerorts positiv. 2020 konnte eine vielversprechende Grundlage zur Wiederansiedlung der Kreuzkröte zwischen Hannover-Bothfeld und Bissendorf-Wietze bereitet werden.“ 2021 soll es damit weitergehen. Auf der NABU-eigenen Projektfläche Kreyen Wisch hat sich unter anderem das Niederliegende Johanniskraut angesiedelt. Das recht unscheinbare Gewächs ist durch gelbe Blüten erkennbar und um einiges kleiner als das bekanntere „gewöhnliche Johanniskraut“. Der Mittlere Sonnentau konnte sogar Massenbestände entwickeln. „Über das Vorkommen des ausgesprochen seltenen Sandohrwurms und weiterer Insekten- und Vogelarten in Kreyen Wisch freuen wir uns ebenfalls.“ so der Naturschützer weiter.
Auch außerhalb der Projektfläche haben viele Arten ein Zuhause gefunden. Die Laubfrösche in Kananohe breiten sich aus und die Nistkästen im Stadtpark wurden weiterhin von Fledermäusen und Vögeln genutzt. Außerdem konnte die landesweit sehr seltene Dunkle Glanzleuchteralge, eine Art aus der Familie der Armleuchteralgen, in Gewässern in Kananohe nachgewiesen werden.
Während viele dieser Projekte durch Kleingruppen betreut werden konnten, hat sich die Pandemie in der Kinder- und Jugendarbeit besonders bemerkbar gemacht. Trotzdem war die Rudi Rotbein Gruppe in den Sommermonaten fleißig. Fledermaus-Nachtwanderungen und andere Aktionen im Freien konnten stattfinden. Die Jugendlichen waren besonders im Wietzepark bei der Freistellung von Gewässern tätig. Erneut gewählte Vorsitzende der NAJU (Naturschutzjugend) sind seit deren Jahreshauptversammlung im September Felix Hartmann und Dominik Meyer. Katja Kolb übernahm innerhalb der NAJU die Position der Schriftführerin von Insa Brodersen, die Aufgrund ihres auswertigen Studiums in die zweite Reihe rückte.

Bei einem Ausblick für das kommende Jahr betrachtet der NABU die Trockenheit der letzten Jahre mit Besorgnis. Gewässer, Pflanzen- und Tierarten leiden unter den klimawandelbedingten heißen Sommern. Auch 2021 wird Naturschutz daher wieder eine hohe Priorität in Politik und Gesellschaft einnehmen müssen und die bislang getätigten Beschlüsse des Stadtrates für mehr Klimaschutz in Langenhagen begrüßt der NABU ausdrücklich! Für den weiteren Verlauf des Jahres hängen die Pläne der Naturschützer stark von der Entwicklung des Virus ab. Angedacht sind Ausflüge der NAJU, die 2020 entfallen mussten. Projekte wie „Für einen Strich mehr in der Landschaft“, zur Ansiedlung der Kreuzkröte, oder das Montieren von Steinkauzröhren und Schleiereulenkästen sollen weitergehen. „Außerdem hoffen wir, dass bald wieder in größeren Gruppen gearbeitet werden und man sich zu Vereinsaktivitäten bald wieder persönlich treffen kann.“ so Stankewitz abschließend.