Astern bedeuten Herbst

Ich erinnere mich an eine Schulstunde, in der ging es um den Herbst.
Wir lasen von irgendeinem sicher bedeutenden Schriftsteller eine Kurzgeschichte. Zwei ältere Damen gingen im Park spazieren. Die eine sagte: „Sieh dir doch nur diese schönen Astern!“ Und die andere sagte seufzend: „Oh – Astern bedeuten Herbst.“ Die ganze Klasse fand das ziemlich blöd. Denn - natürlich sind Astern Herbstblumen – was also soll diese Bemerkung? Die Deutschlehrerin aber lächelte. Und nach einigen hilfreichen Fragen haben wir es dann verstanden: Die zwei Damen sprachen zwar über den Hebst in der Natur, aber indirekt sprachen sie zugleich über den Herbst ihres Lebens. An schönen Herbsttagen fällt mir diese Szene immer wieder ein. Und dann denke ich auch daran, wie oft wir im Alltag über das Wetter sprechen. Klingt dann auch immer noch etwas anderes mit?
Freuen wir uns vielleicht nur dann so richtig über die wunderschöne Blattfärbung in diesen Tagen, wenn es uns gut geht? Und ärgern wir uns besonders über die nassen und kalten Herbsttage, wenn wir schlecht drauf sind? Ich kenne niemanden, der auch dem grauen November etwas abgewinnen kann. Liegt das vielleicht daran, dass wir die entsprechende Stimmung ablehnen – wenn man nämlich niedergeschlagen und traurig ist?
Es ist aber mit den guten und den schlechten Zeiten im Leben ebenso wie mit dem Wetter. Beides kommt vor und beides muss man durchleben.
In der Bibel gibt es dazu im Buch des Predigers einen Abschnitt. Darin heißt es: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit. Suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit; reden hat seine Zeit…..
Beides gehört zusammen: Die schönen Tage und die schlechten Tage, im Leben wie in der Natur. Und eigentlich können wir uns an den guten Tagen nur deshalb so richtig freuen, weil wir auch die anderen Tage kennen. Gäbe es immer nur eitel Sonnenschein, dann hätte unser Leben keine Tiefe.
Danken wir Gott für die guten Tage – draußen und im Leben. Und dafür, dass wir wegen der schlechten Tage wissen, wie wertvoll sie sind.

Marieta Blumenau, Pastorin