Auf dem Weg zum Traumberuf?

Immer motiviert bei der Sache: Alina Reinhard liebt die Arbeit mit Tieren.Foto: I. König
 
Hilft den Schülerinnen und Schülern bei den Hausaufgaben: Josefa Wöllenstein, "Lehrerin auf Zeit" an der Godshorner Grundschule.Foto: I. König

Gymnasiasten schnuppern ins harte Berufsleben hinein

Langenhagen (ik). ,,Ich habe mir die Arbeit bei einem TV-Sender gar nicht so umfangreich und aufwändig vorgestellt, doch da steckt viel mehr hinter, als man denkt", erzählt Janna Wieling, die gerade ihr Praktikum als Fashion Editor bei dem Verkaufssender ,,Channel 21’’ absolviert, denn das zweiwöchige Betriebspraktikum der Schüler des Gymnasiums Langenhagen hat kürzlich begonnen. Die knapp 130 Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs erleben jeden Tag viel Neues und haben die Möglichkeit, in die Berufswelt hineinzuschnuppern.
Zu Jannas Aufgaben zählen Dinge wie Produktinformationen für die Showpläne rauszusuchen, Kleidung auf Vollständigkeit zu kontrollieren oder Outfits für die Shows auszuwählen. ,,In der Schule weiß ich immer was mich erwartet, aber mein Tagesablauf hier ist ganz anders und ich bekomme jeden Tag andere Aufgaben. Das gefällt mir", erklärt sie stolz. Es mache Spaß, auch mal hinter die Kulissen gucken zu können und bei der Produktion dabei zu sein. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne diesen Beruf später einmal auszuüben antwortet Janna: ,,Die Richtung stimmt. Allerdings gibt es auch noch andere Bereiche, die mich interessieren.’’
Ähnlich ergeht es auch ihrer Mitschülerin Alina Reinhard. Sie hat sich für ein Praktikum in einer Tierarztpraxis entschieden und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Sie sagt, die Arbeit mit Tieren gefalle ihr sehr, allerdings sei es oft auch ziemlich kompliziert, weil Tiere nicht ausdrücken können, was ihnen fehle. "Eine Tierarzthelferin hat noch viel mehr Aufgaben, als nur Tiere festzuhalten’’, hat Alina erkannt. ,, Ich sorge dafür, dass der Tierarzt richtig arbeiten kann, indem ich mit den tierischen Patienten mitgehe, Blut abnehme oder Behandlungstische säubere.’’ Sie sei positiv überrascht, da sie von Anfang an einbezogen wurde und sogar schon bei Operationen dabei sein durfte. ,, Mein Tagesablauf ist nun ganz anders und auch anstrengender, weil ich die ganze Zeit in Bewegung bin. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen, denn in der Schule sitzen wir fast nur. Aber es wird nie langweilig, da kein Tier gleich ist’’, erklärt sie. Alina wisse nun, was es heiße ein Tierarzt zu sein und welche Verantwortung das mit sich bringe. Doch Angst davor hat sie nicht. Ganz im Gegenteil, sie glaubt ihren Traumberuf gefunden zu haben und hofft, dass sich dieser Traum später verwirklichen lässt.
In der Grundschule Godshorn lernt Josefa Wöllenstein gerade, wie es ist als Lehrerin zu arbeiten und eine "Autoritätsperson" für die Kleinen zu sein. Sie unterstützt die Kinder im Unterricht, betreut sie in der Pause und leistet Hilfestellung bei den Hausaufgaben. ,,Ich liebe die Arbeit mit Kindern, aber es ist sehr anstrengend’’, gibt sie zu. Sie stellt fest: ,,Es ist schon aufregend, den Unterricht mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, aber mir ist jetzt erst klar geworden, wie viel Arbeit hinter der Vorbereitung einer Unterrichtsstunde steckt. Ich begleite die Kinder den ganzen Tag und merke dadurch wie sich meine Wahrnehmung in den letzen Jahren verändert hat.’’ ,,Früher empfand ich uns als nicht so laut’’ ,gesteht Josefa schmunzelnd. Es bereite ihr Freude, die Entwicklung der Kinder verfolgen zu können und zu sehen, wie sie sich eifrig im Unterricht beteiligten. Allerdings habe ihr das Praktikum auch gezeigt, dass sie für den Beruf der Grundschullehrerin nicht geeignet sei. So viel Verantwortung zu tragen, sei schwierig, und es falle ihr schwer sich durchzusetzen. Außerdem sei es ihr ein wenig zu eintönig, jeden Tag den vorgegebenen Lehrstoff zu vermitteln. ,,Viel lieber würde ich selbst noch mehr dazulernen und einen variierenden Tagesablauf haben’’, meint sie. Zum Abschluss ihres Praktikums darf Josefa nächste Woche eine Unterrichtsstunde selbst planen und übernehmen, worauf sie sich schon sehr freut. Diese Erfahrung wird mit Sicherheit nicht nur für die Schüler lehrreich sein.
Positiv überrascht von seinem Praktikum ist auch Dennis Ströh, Praktikant im TUI- Reisecenter in Davenstedt. Er habe sich diesen Praktikumsplatz ausgesucht, weil er keinen reinen Bürojob machen wollte, sondern auch viel Kundenkontakt haben wollte. ,,Dennoch sind meine Erwartungen nicht all zu groß gewesen’’, gesteht Dennis. Er erläutert: ,,Ich dachte es wäre langweiliger, aber tatsächlich ist es eine gute Mischung aus Computer-, Büroarbeit und Kundenbetreuung. Meistens bin ich aufmerksamer Beobachter und höre den Kundengesprächen zu. Das richtet sich jedoch nach der Anzahl der Kunden an einem Tag, weshalb ich manchmal nicht komplett ausgelastet bin. Aber ich lerne trotzdem einiges und die Arbeit macht Spaß. Ein Grund dafür ist das sehr entspannte Arbeitsklima und der freundliche Umgang mit den Mitarbeitern. Ich fühle mich schon als richtiger Teil des Unternehmens.’’ Als weniger schön empfindet Dennis die langen Arbeitszeiten und das frühe Aufstehen. ,, Ich habe eine Stunde Fahrtweg und nur eine Pause. Daran bin ich nicht gewöhnt. In der Schule ist das alles viel entspannter und meine Freunde sind bei mir. Hier bin ich auf mich allein gestellt’’, berichtet er. Ob er seinen passenden Berufszweig gefunden habe, wisse er noch nicht. Trotzdem habe ihm das Praktikum einen guten Einblick in das Arbeitsleben gegeben.
In einem sind sich die Vier hingegen einig. Auch, wenn jetzt vielleicht nicht der richtige Beruf dabei war: Durch die Eindrücke und Erfahrungen, die sie in dieser Zeit sammelten, wird das Praktikum ihnen die Berufswahl erleichtern und helfen, einen Job zu finden, der sie interessiert.