Auf Wache hinter dem Busch verlobt

Gaben sich in Steinhorst bei Gifhorn das Ja-Wort: Verkäuferin Heidelrös und Berufssoldat Jürgen Werth. (Foto: O. Krebs)

Heidelrös und Jürgen Werth feiern am 14. Juli ihre diamantene Hochzeit

Langenhagen (ok). Ein diamantenes Hochzeitspaar, das sich in der Kaserne kennen gelernt hat? Wie soll das vor sechs Jahrzehnten überhaupt möglich gewesen sein? Ganz einfach: Jürgen Werth war Soldat in Dedelstorf, seine Heidelrös in der Kantine für die Versorgung nach Feierabend zuständig. “Da haben wir immer gern unser Bierchen getrunken“, sagt Jürgen Werth schmunzelnd. Nachdem die beiden sich kennen gelernt hatte, sahen sie sich fast täglich, schrieben Briefe. Gern erinnert er sich an die Fahrten auf dem Moped, als seine Heidelrös sich an seiner Schulter festgehalten haben. Die Verlobung ist kurz oder schmerzlos über die Bühne gegangen: Während der Wache haben sie sich die Ringe gegenseitig hinter einem Busch angesteckt. Jürgen Werths Schwiegervater habe anfangs nichts mit Soldaten am Hut gehabt, aber schnell sei es dem gelernten Bergmann gelungen, sein Vertrauen zu gewinnen. Geheiratet haben die zwei dann ein Jahr nach der Verlobung am 14. Juli 1960 in Steinhorst bei Gifhorn. Heidelrös und Jürgen Werth sind in ihrem gemeinsamen Leben viel herumgekommen. Jürgen Werth musste als Berufssoldet insgesamt 13 Mal umgezogen. Eine militärische Karriere, die von einer sechsjährigen Tätigkeit im VW-Werk unterbrochen worden ist,. Letzter Standort war Rheine, wo sich das Paar dann auch nach der Pensionierung des Hauptfeldwebels niedergelassen hatte. Aber die Entfernung zu den Kindern in Seelze und Langenhagen war dann doch zu groß, und so zogen Heidelrös und Jürgen Werth vor zehn Jahren in die Flughafenstadt. Und dort mittlerweile auch noch viermal um. „Das ist aber meine letzte Wohnung“, sagt der 84-Jährige lachend. Mittlerweile wohnt er im Söseweg im gleichen Haus wie sein Sohn Joachim, der sich um seinen Vater kümmert, regelmäßig mit ihm gemeinsam ist. Seine 82-jährige Mutter ist an Demenz erkrankt, lebt im Eichenhof in Godshorn, wird aber oft nach Hause geholt. In der Anfangszeit von Corona sei das nicht möglich gewesen, sagt Jürgen Werth, und er habe seine Heidelrös sehr vermisst. Oft unternehmen die beiden noch kleinere Fahrten in die Umgebung, etwa ans Steinhuder Meer. Früher ging es oft auf die Kanarischen Inseln. Oder das Paar hat seine Freizeit im Schrebergarten genossen, den sie gehegt und gepflegt haben. Dann winkten oft erste Preise.
Ihre diamantene Hochzeit werden die beiden im kleinen Familienrahmen feiern. „Wir werden schön zum Kaffeetrinken gehen“, freut sich Jürgen Werth und streichelt bei diesen Worten zärtlich die Hand seiner Heidelrös.