Aus der Flüchtlingsunterkunft in den Rettungswagen

Ahed Al Rifai (links) und Jourj Aljenady sind frisch ausgebildete Rettungssanitäter in Langenhagen. (Foto: Johannniter/B. Martin)

Zwei Geflüchtete absolvieren Rettungssanitäterausbildung bei den Johannitern

Langenhagen. Dampfend stehen die zwei Becher mit Kaffee auf dem Tisch im Hinterraum der Johanniter-Kleiderkammer „Nahtstelle“. Ahed Al Rifai und Jourj Aljenady sind mit Koordinatorin Jennifer Rihm im Gespräch. Für die jungen Männer ist es ein wenig wie nach Hause kommen. Nachdem sie sich 2015 in der Langenhagener Flüchtlingsunterkunft kennenlernten, begannen sie ehrenamtlich in der Kleiderkammer auszuhelfen. Heute kommen sie mit guten Nachrichten: Sie haben ihre Ausbildung zum Rettungssanitäter erfolgreich abgeschlossen. Jennifer Rihm ist glücklich. „Wir sind unheimlich stolz hier auf die beiden“, sagt Rihm. Die Rettungssanitäterausbildung war Teil des Bundesfreiwilligendienstes, den Ahed und Jourj im Nordhannoverschen Ortsverband der Johanniter abgeleistet haben. Insgesamt dauert die Ausbildung 520 Stunden und umfasst einen theoretischen Block sowie ein Klinik- und ein Rettungswachenpraktikum.
Für Ahed und Jourj hat sich der Bundesfreiwilligendienst als Glücksgriff erwiesen. „Es war eine gute Entscheidung“, fasst Jourj für sich zusammen. Mit dem Bundesfreiwilligendienst konnte er für sich Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt finden. Und vor allem Sprachpraxis. „Mein Ziel war es, mein Deutsch zu verbessern, darin habe ich gute Fortschritte gemacht“, sagt der 26-Jährige. Ahed ging es ähnlich. „Wir haben viele Menschen kennengelernt und uns viel mit den anderen Ehrenamtlichen und Kollegen unterhalten. Das hat die Sprache verbessert“, so Ahed.
Die Sprache hatte sich zunächst als größte Hürde erwiesen, die die beiden bewältigen mussten. Die Buchstaben sahen fremd aus und auch die Ausdrucksweise sei ganz anders. Das Fachliche in der Rettungssanitäterausbildung sei daher gar nicht so schwierig gewesen, sind sich die beiden einig. Ahed hatte in Syrien schon vier Semester Zahnmedizin studiert, außerdem hätten sie viel Unterstützung von Kollegen der Johanniter-Rettungswache in Langenhagen erfahren. „Das Fachliche kam letztendlich, als es mit der Sprache besser lief“, sagt Jourj. Teil eines Bundesfreiwilligendienstes sind außerdem pädagogische Begleitseminare, die ebenfalls dafür sorgten, dass Ahed und Jourj sich auf Deutsch ausdrücken mussten. „Wir hatten viel Kontakt zu Deutschen und haben die Kultur gut kennengelernt.“ Auch das ist ein Vorteil für den Arbeitsmarkt.
Jetzt nach der Ausbildung heißt es erstmal Erfahrungen in der Praxis sammeln. „Es ist ein Beruf mit viel Stress, aber man lernt damit umzugehen, wenn man regulär im Rettungsdienst mit auf dem Auto sitzt und am Patienten arbeitet“, erklärt Jourj. Menschen helfen, Leben retten – das mache den beiden viel Spaß, sagen sie. Ahed möchte später einmal die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter anhängen. Er bleibt den Johannitern erhalten und arbeitet weiter als Rettungssanitäter in Langenhagen. Jourj möchte zunächst Routine bekommen, wobei er irgendwann einmal auch gern wieder in seinem Ursprungsberuf arbeiten würde – in der IT. Jetzt arbeitet er aber erstmal in der Johanniter-Rettungswache in Garbsen.