Aus Erfahrungen Mut schöpfen

Bericht der Internationalen Jugendbegegnung

Langenhagen. Auf Einladung des Langenhagener Vereins für internationale Jugendbegegnungen berichete Sarah Stooß im Schulzentrum Konrad-Adenauer-Straße über ihr freiwilliges soziales Jahr in den palästinensischen Autonomiegebieten. Sie erzählte von ihren Erlebnissen nach dem Abitur 2009. Die Schule Talitha Kumi (Mädchen, steh auf) in Bethlehem war ihre Arbeitsstelle mit 40-Stunden-Woche und zwei Urlaubstagen pro Monat. Der Schule ist ein Internat für 30 Mädchen angegliedert. Sarah Stooß wohnte zunächst im Gästehaus, fand schnell Anschluss unter den Mitarbeitern und Schülern. Sie half beim Deutschunterricht in der überkonfessionellen Schule und bei diversen Freizeitaktivitäten am Nachmittag. Besonders eindrucksvoll blieb die einwöchige Olivenernte auf dem Ölberg in ihrer Erinnerung. Talitha Kumi wurde in Bethlehem (Beit Jala) bereits 1851 gegründet. Seit 1979 wird die Schule vom Diakonischen Werk betrieben.
Stooß zog mit einer deutschen Diplomandin in eine kleine Wohnung in Beit Jala. In ihrer Freizeit besuchte sie Freunde und lernte schnell arabisches Familienleben kennen. Turbulente Hochzeiten, Auslüge mit großem Picknick, Kisha-Runden mit Gleichaltrigen – das pralle Leben. In unangenehmer Erinnerung bleiben die Zeiten, in denen die Wassertanks auf den Dächern leer bleiben mussten, da die Belieferung durch Tanklaster nicht möglich war. So mussten die Familien einmal sechs Wochen nur mit Flaschenwasser auskommen. Stooß lebte danach im kleinsten der drei Flüchtlingslager von Bethlehem, die seit dem Jahr 1949 vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen dort betreut werden. Die israelische Besatzung samt Mauer, Checkpoints und Militärstützpunkten ist in Bethlehem allgegenwärtig.
Im Al Azzah Flüchtlingslager wohnte sie mit der an den Rollstuhl gefesselten Echlos und ihrer über 80-jährigen Mutter zusammen. Es blieb Zeit für die Erkundung Israels, Jordaniens und Palästinas. An den Bethlehemer Checkpoints bildeten sich, wie Sarah Stooß berichtete, bereits im Morgengrauen lange Schlangen von Tagelöhnern, die auf die Erlaubnis hofften, einen Tag in Jerusalem bezahlte Arbeit suchen zu dürfen. Stooß konnte die Checkpoints problemlos passieren. Tief beeindruckt erinnert sie sich an die Begegnung mit Doron, deren Großvater aus Sarahs Heimatort Laupheim stammt und ihn wegen seiner jüdischen Herkunft während der Nazizeit verlassen musste. Es kommt zu einem Besuch im Hause der Familie und der Großvater freut sich, einiges aus Laupheim zu erfahren und „schwäbeln“ zu können.
Nach dem Vortrag gab es Fragen aus dem vorwiegend jungen Publikum, sowohl zum Leben in Israel und Palästina als auch zum freiwilligen sozialen Jahr. Sarah Stooß ermunterte interessierte junge Leute, es ihr gleich zu tun, denn mit bescheidenen Englischkenntnissen kommt man in Israel und Palästina gut zurecht und Arabisch lernt man schnell im täglichen Umgang. Befürchtungen, in Israel als Deutsche schlecht behandelt zu werden, konnte sie nicht bestätigen.
Zum Schluss der Veranstaltung gab die Referentin noch Informationen zu „weltwärts“, dem Freiwilligendienst des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftl. Zusammenarbeit und Entwicklung), das auch ihr Buch „Hinter der Mauer leben“ gefördert hat.