Ausbildung bei Starkregen

Gespannt beobachten die THW Spezialisten wie lange der Damm aus Europaletten dem Wasserdruck standhält. Vorne im Bild eine Wasserableitung mittels einer Holzbohle. Foto: P. Graser

THW rang bei Übung um neue Erkenntnisse

Langenhagen. Welche Alternativen gibt es zu den üblicherweise verwendeten Sandsäcken, welche Vor- und Nachteile haben sie? Welche Gefahren gibt es für uns Einsatzkräfte und wie verhalten wir uns richtig? Wie sieht die richtige Einsatztaktik aus?
In den letzten Jahren wurden die bislang angewandten Methoden der Deichverteidigung sowie grundlegende Fragestellungen als Folge eines Kooperationsvertrages des THW mit der Hochschule Bremen, Institut für Wasserbau, und der Initiative der THW Projektgruppe „Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ auf den Prüfstand gestellt und an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Diese neu gewonnenen Erkenntnisse werden im Rahmen der Ausbildung an den THW Ausbildungszentren zum Beispiel auch auf dem Lehrgang „Technischer Berater Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ (TeBe HuD) vermittelt und von diesen selbstverständlich bei Ausbildungen in den THW Ortsverbänden weiter gegeben.
An einem Freitagabend im August testeten wir bei sommerlichen Temperaturen am Mittellandkanal die verschiedenen neuen Methoden. Verbesserungen gibt es unter anderem beim Füllen, Transport und Verlegen der Sandsäcke. Nicht nur die Technik unterliegt Veränderungen. Auf Grund neuester Erkenntnisse ändert auch die Einsatztaktik. Da sich lokale Starkregen Ereignisse nicht ankündigen und die Vorhersage sehr schwierig ist, ist schnelles Handeln erforderlich. Der klassische Sandsackverbau wäre hier zu zeitintensiv und es muss nach Alternativen wie zum Beispiel dem Bau eines Dammes mit Europaletten gesucht werden.
Zudem überfordern Regenmengen von 70 bis 100 Liter pro Quadratmeter die Regenwasserkanäle und das zusätzliche Wasser muss unschädlich kanalisiert/abfließen können. So zählen auch die verschiedenen Methoden zum Beispiel mit Schlauchbündeln oder Holzbohlen um Wasser von Gebäuden und kritischen Infrastrukturen (U-Bahn, Versorgungsleitungen, Tiefgaragen) abzuleiten zu den aktuellen Ausbildungsthemen.
Übrigens, eine Gruppe mit zehn THW-Spezialisten kann mit Paletten in einer Stunde etwa 300 Meter Damm bauen. Beim Bau mit Sandsäcken wären das auf 300 Metern je nach Sandsackgröße etwa 19.500 beziehungsweise 30.000 Sandsäcke und es würde eine deutlich größere Anzahl an Einsatzkräften benötigt. Beim Verbau von Sandsäcken gelten folgende Zahlen. Zehn Einsatzkräfte können in einer Stunde entweder etwa 400 Sandsäcke füllen oder 800 Sandsäcke verlegen. Wenn die gleichen Kräfte für den Sandsacktransport in einer Kette eigesetzt werden, könnten sie über eine Strecke von zehn Metern etwa 800 Sandsäcke transportieren. Es war ein überaus spannender, interessanter und lehrreicher Dienst.