Austritt

Europa hat ein Problem. Die Engländer wollen austreten aus der Union. Ihr Motiv ist schwer zu durchschauen. Vermutlich hoffen sie, dass sie dadurch Geld sparen und mehr in die eigene Tasche wirtschaften können. Das alles wurde uns in den vergangenen Wochen und verstärkt in den letzten Tagen auf allen Kanälen erklärt. Die restlichen Länder in der Europäischen Union haben das Problem, dass sie jetzt ohne England weitermachen müssen. Was eigentlich nicht geht. Denn England ist ja noch da. Nur eben nicht mehr in der EU. Das macht es komplizierter. Den Handel zum Beispiel. Das gemeinsame Geldverdienen. Was ja ohnehin immer an erster Stelle zu stehen scheint, wenn es um die EU geht.
Andere sagen, es geht um viel mehr. Am Ende geht es sogar um den Frieden. Wenn jeder nur an sich denkt und an den eigenen Vorteil, dann ist es vorbei mit der Solidarität. Dann ist es vorbei mit Hilfestellungen, die gerade die Schwächeren manchmal brauchen. Dann stehen die eigenen Interessen immer an erster Stelle. Amerika first, England first, Germany first. Kurz gesagt: Ich first – ich zuerst! Das wird kein gutes Ende nehmen, das wissen wir aus der Geschichte. Wie dumm, so etwas zu riskieren, nachdem wir auf über siebzig Jahre Frieden in Europa zurückblicken. Denn dieser Frieden basiert nicht zuletzt auf den Vereinbarungen der EU.
In der Kirche kennen wir dieses Problem seit langem. Auch da wird gerne ausgetreten. Zumeist auch aus wirtschaftlichen Gründen: „Ich habe nichts gegen die Kirche, aber wir mussten gerade so viele Anschaffungen machen, dass wir jeden Cent zusammenhalten müssen…“ Die Argumentation ist bekannt, manchmal auch nachvollziehbar. Dennoch steht auch hier mehr auf dem Spiel, wie ich finde. Eine gemeinsame Basis. Etwas, an dem Menschen sich orientieren können. Ein Ort, an dem ich nachdenken kann und an dem wir uns begegnen können. Ein Ort für Gespräche. Eine Anlaufstelle, bei der ich Hilfe bekomme, wenn meine Seele nicht mehr mitkommt.
Alles das und noch mehr will und soll Kirche sein. Alles das steht immer auch auf dem Spiel, wenn Menschen austreten. Deshalb danke ich an diese Stelle allen denen, die die Kirche immer noch solidarisch tragen und finanzieren.
Torsten Kröncke, Pastor