AWO sucht dringend Nachwuchskräfte

Lernwerkstatt für angehende Altenpfleger bewährt sich

Region (gg). An sechs Tagen im Jahr veranstaltet die AWO Jugend- und Sozialdienste gemeinnützige GmbH im AWO Weiterbildungszentrum an der Walsroder Straße die Altenpflege-Lernwerkstatt. „Wir nutzen dafür Räume in der City-Park-Residenz“, erklärt Dirk von der Osten, Geschaftsführer der Trägergesellschaft. Angehende Altenpflegerinnen und Altenpfleger aus den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen in der Region werden dafür freigestellt und erhalten in den Lernwerkstatt eine intensive Unterstützung. „Wir wollen, dass die Auszubildenden einen guten Abschluss machen. In der Werkstatt trainieren sie Lern- und Prüfungsstrategien“, erklärt er und zeigt die Perspektive auf, „Natürlich hoffen wir, dass die AWO Mitarbeiter unsere Unterstützung schätzen und in langfristiger Beschäftigung bleiben.“
Zum Start in das neue Ausbildungsjahr im Sommer gibt es in der City-Park-Residenz noch freie Ausbildungsstellen. Von der Osten spricht von einem echten Fachkräftemangel und hofft, dass die Stellen überhaupt besetzt werden können. Die neue Initiative von Sozialministerin Aygül Özkan, junge Menschen für den Beruf der Altenpflegerin oder des Altenpflegers zu begeistern, begrüßt er. In den kommenden Monaten wird das Sozialministerium mit Großflächenplakaten in 23 Städten, mit Zeitungsanzeigen, mit Kinowerbung, mit Plakaten in Schulen sowie im Internet unter www.mensch-alter.de für das Berufsbild Altenpflege werben. In Niedersachsen zeichnet sich ein positiver Trend ab: Allein in den letzten drei Jahren ist die Zahl der Auszubildenden von 4.600 auf voraussichtlich mehr als 6.200 in 2011 gestiegen.„Das ist ein absoluter Spitzenwert für Niedersachsen. Auf diesem Erfolg wollen und dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Wir wollen noch mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege gewinnen", so Özkan. Darüber hinaus unterstützt das Land Niedersachsen Altenpflegeschülerinnen und -schüler an privaten Altenpflegeschulen auch finanziell. Die monatliche Schulgeldförderung aus Mitteln des Sozialministeriums soll von bislang maximal 100 Euro auf bis zu 160 Euro erhöht werden. „Die Nachbesserung der Ministerin geht uns nicht weit genug, die Ausbildung müsste kostenlos sein. Zwar entspricht die Förderung dem Schulgeld, aber die Auszubildenden müssen in Vorauslage gehen und sich dem bürokratischen Aufwand bei der Bewilligung der Förderung stellen“, meint von der Osten dazu.
Sozialministerin Özkan will auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergund für eine Ausbildung in der Altenpflege gewinnen. Sie werden gezielt in einem weiteren Projekt vor den Sommerferien an Regelschulen angesprochen. „Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund werden pflegebedürftig und legen Wert auf eine Pflege, die ihre kulturellen und religiösen Bedürfnisse berücksichtigt. Demenzerkrankte beispielsweise verlernen die deutsche Sprache Stück für Stück und benötigen dann Pflegekräfte, die die Sprache des Herkunftslandes beherrschen", so die Ministerin.
Die Zahl pflegebedürftiger Menschen wird in den nächsten Jahren erheblich wachsen. Der Landespflegebericht 2010 prognostiziert, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Niedersachsen bis zum Jahr 2030 um rund 100.000 Menschen auf rund 350.000 Menschen ansteigt. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen, die pflegen können, abnehmen. Das bedeutet: In Zukunft werden mehr ausgebildete Pflegefachkräfte gebraucht.