Beete verschönern Walsroder Straße

Die Beteiligten freuen sich über die erhöhte Attraktivität in der Straße.

Stadt will nördliche Kernstadt wieder attraktiver machen

Langenhagen. Dorothea Nickel seufzt. Und dann lacht sie. Nein, sie werde es wohl nicht mehr erleben, „mich unter diesem Baum in den Schatten setzen zu können“. Und doch freut sie sich. Seit 1960 wohnt sie in einem dieser in die Jahre gekommenen Gebäude, in denen der Flughafen einst seine Mitarbeiter untergebracht hatte. Ihr Blick daraus auf die Walsroder Straße hat sich in den Jahrzehnten wahrlich nicht zum Besseren verändert. Autoverkehr, Ladenleerstand und Menschen auf Parkplatzsuche prägten das Bild.
Jetzt aber zeugen Dutzende neuer Stauden, eine noch zierliche Winterlinde und eine Sitzbank direkt unter ihrem Fenster vom Neuanfang. Für Nickel ein wichtiges Symbol. „Das war doch früher hier unsere Einkaufsstraße“, hält sie den Gästen ihres Quartiers an diesem Morgen fast ein wenig vorwurfsvoll entgegen. „Hier war es, wenn wir gesagt haben, wir gehen ins Dorf zum Einkaufen.“
Nickel gehört zu jenen, die sich seit der offiziellen Aufnahme der so genannten nördlichen Kernstadt entlang der Walsroder Straße als Sanierungsgebiet rund um den dafür eingesetzten Beirat für eine Wiederbelebung dieses Viertels einsetzt. Die Profis an ihrer Seite, Geschäftsstraßenmanager Martin Karsten sowie auf städtischer Seite Christine Söhlke, lauschen voller Genugtuung den Aussagen ihrer „Kronzeugin“. Ebenso wie dem Lob von Michel Eram. Mit seinem Fotostudio nur ein paar Meter weiter südlich gehört Eram zu den Geschäftsleuten in diesem Zirkel, die ureigenes Interesse daran zeigen, die Walsroder Straße aus ihrem Stiefkind-Dasein im Schatten des CCL zu erlösen.
Zu den ersten Schritten gehörte auch, diesem Kind einen Namen zu geben: „Alte Mitte“ steht seither für die frühere Bedeutung des Quartiers. „Natürlich gibt es immer welche, die sagen, all die Bemühungen seien noch nicht genug“, räumt Eram ein. „Aber ich bin sehr froh, dass nun etwas Sichtbares passiert.“
Sichtbar sind bislang 25 neue Rabatten mit insgesamt 3840 Stauden, 4800 Blumenzwiebeln sowie bislang insgesamt neun Bäumen, unter denen mehrere Beton-Holz-Sitzbänke zum Verweilen einladen sollen. „Hinzu kommen noch kleine Schutzzäune, damit die zarten Pflanzen geschützt sind“, sagt Söhlke. Zu viele der Bemühungen der vergangenen Jahre verkamen allzu schnell zur Lagerstätte für Müllbeutel oder Abkürzungstrampelpfade für Fußgänger. Dass überhaupt wieder Bäume an die Walsroder Straße zurückkehren dürfen, verdanken sie ebenfalls dem Zahn der Zeit. „Entlang der Fahrbahn liegen viele Versorgungsleitungen“, erläutert Stephanie Koll, die bei der Stadt für Grünanlagen zuständig ist. „Weil nun eine der Gasleitungen abgestellt worden ist, können wir hier Bäume einsetzen.“ Weiter südlich zwischen Bahnhofstraße und Elisabethkirche sei dies dagegen weiterhin schwierig. „Da setzen wir auf Sträucher und Bänke.“ Drei Felsenbirnen werden dort in Pflanzkübeln platziert.
Mit den Beeten und Bänken wollen die Planer „Verweilinseln“ schaffen, die auch jene ins Quartier locken sollen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. „Diese Stellen sind auch Kommunikationsorte“, sagt Söhlke und erzählt erfreut auch von zwei Jugendlichen, die sie jüngst auf einer der neuen Bänke beim Eisessen habe entdecken dürfen.
Dorothea Nickel will nun ein wachsames Auge haben auf den noch jungen Baum unter ihrem Fenster. Bis dieser seine zu erwartende stattliche, Schatten spendende Größe von bis zu 20 Metern erreicht haben wird, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Das ficht die ältere Dame aber nicht an. „Es ist schön, dass er da ist.“