Beispielhaft voranschreiten

Das „Kennlern- und Wiedersehenstreffen“, dass der Helferkreis der Pfeifengrasstraße organisiert hatte, fand rund 60 Teilnehmer und es gab interessante Neuigkeit von (von links, hintere Reihe) Salah Abakir, künftiger „Azubi“ zum Altenpfleger, Aykut Ilaslan, Sozialarbeiter bei der Allgemeinen Sozialberatung der Stadt Langenhagen, Robi Aldakhi, Praktikantin in der Pflege und Christoph Bärwinkel, Mitglied im Kirchenvorstand der Matthias-Claudius- Kirchengemeinde. (Foto: S. Dickhaeuser)

Gelungenes „Kennlern- und Wiedersehenstreffen“ für Flüchtlinge

Langenhagen (dkh). Der Helferkreis der Pfeifengrasstraße um Sigrid Könneke und Christine Fassnacht hat im Gemeindessaal der Matthias Claudius-Kirchengemeinde Kaltenweide – Krähenwinkel zu einem Treffen für ehemalige Flüchtlinge eingeladen. Rund 60 Bewohner aus der Stadt Langenhagen und den umliegenden Ortschaften nahmen die Einladung zum „Kennlern- und Wiedersehenstreffen“ an und freuten sich über neue und alte Begegnungen in einem herzlichen Miteinander.
Im gemeinsamen Blick nach vorn fand ein reger Erfahrungsaustausch statt, der sich auch auf die Bemühungen bei der Arbeits- und Wohnungssuche bezog. Die positive Erfahrungen erhellten den Abend dabei ebenso wie der Adventskranz, der mittig des Raumes zur gemütlichen Atmosphäre beitrug. Die Atmosphäre war zwar weihnachtlich, doch Religion stand nicht im Mittelpunkt des Abends, der ohnedies bereits geprägt war von Güte und Mitgefühl. Es wurde über das berufliche und private Vorankommen gesprochen und über Familien und Freunde. So berichtete Robi Aldakhi, dass ihre ältere Schwester, zu der sie eine starke Bindung hat, bei der Flucht nicht mit dabei gewesen sei und die Familie erst viel später, dann mit dem Eintreffen der Schwester, wieder komplett gewesen sei. Bis es soweit war hatte die 13-jährige große Sehnsucht nach ihrer Schwester. Unter den Anwesenden befand sich auch Aykut Ilaslan, Sozialarbeiter beim Sozialen Beratungsdienstes der Stadt Langenhagen. Gemeinsam mit seinen Kollegen obliegt ihm die Organisation und Betreuung der Flüchtlinge, die in Gemeinschaftsunterkünften in verschiedenen Stadtteilen leben, oder nach der schwierigen Wohnungssuche bereits eine eigene Wohnung gefunden haben. Zur Klärung wichtiger Fragen ist Aykut Ilaslan, der neben der deutschen Sprache auch fließend Französisch, Englisch und Türkisch spricht, der richtige Ansprechpartner: er hilft durch den Behördendschungel, informiert über Chancen und Möglichkeiten und leitet interessante Kurse bei der Stadt Langenhagen, damit die Integration gelingt und die Teilnehmer vorwärts kommen. Von den Organisatorinnen der Veranstaltung bekam der engagierte Sozialarbeiter ein kleines Präsent überreicht. Dies verbunden mit Glückwünschen für ein neues Amt, das der Sozialarbeiter künftig in der Allgemeinen Sozialberatung der Stadt Langenhagen bekleidet. Hier befasst sich Ilaslan hauptsächlich mit der präventiven Wonraumhilfe, die unter anderem in Anspruch genommen werden kann, wenn nach einer Räumungsklage ein Titel durch einen Gerichtsbeschluss erwirkt wurde. Das Hilfsangebot richtet sich an alle Bürger der Stadt Langenhagen, die Fragen haben und möglicherweise auch eine Lösung finden, die eine Räumungsklage abwendet. „Wir unterstützen, unter anderem bei Jobcenterangelegenheiten, Energieversorgungsverträgen, oder rund um den Umzug von einer Gemeinschaftsunterkunft in eigens angemietete Wohnungen, in allen sozialen Problemlagen. Der soziale Beratungsdienst, der nicht in jeder Kommune zwangsläufig besteht, ist ein Gewinn für die Stadt. Wir erfahren ganz viel Offenheit und Unterstützung durch viele ehrenamtliche Helfer. Da ist, so wie hier beim „Kennlern- und Wiedersehenstreffen“, sehr viel Bereitschaft.“ Für die Organisatorin des Treffens, Sigrid Könneke, ist das Miteinander ein Ansporn:„Es ist ein Geben und Nehmen“. Wir wünschen uns, dass das bei den nächsten Treffen auch mal alteingesessene Bürger aus Langenhagen zum Feiern und Erfahrungsaustausch dabei sein möchten. Wir haben tolle Ideen und wollen demnächst mit Musik und Tanz feiern.“ Doch nicht nur so gelingt die Integration. Beispiele liefert die junge Generation: Die 17-jährige Madline Moussani spricht nach nur 11 Monaten in Deutschland bereits fließend Deutsch. Und auch Robi Aldakhi ist fleißig. Sie freut sich darüber, dass ihre Schwester wieder bei ihr ist zudem froh über einen Praktikumsplatz im Margeritenhof in Kaltenweide. Daneben zeigt der 23-jährige Salah Abakier, der Ende 2015 aus dem Sudan nach Deutschland geflohen ist und in Kürze mit einer Ausbildung als Altenpfleger beginnt, Beharrlichkeit „die vergangenen Jahre waren nicht immer leicht, aber ich habe mich durchgesetzt. Ich habe mein Zuhause, arbeite, zahle Steuern und bin unabhängig. Deutsch habe ich übrigens in meiner Mannschaft gelernt. Seit meiner Ankunft in Langenhagen spiele ich Fußball,“ sagt Salah Abakier. Lobenswert ist auch das Netzwerken, das auch Christoph Bärwinkel, Mitglied im Kirchenvorstand der Matthias-Claudius- Kirchengemeinde und Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt Langenhagen, vorantreibt. Einen sehr interessanten Beitrag empfiehlt Pastorin Ulrike Thiele. Die Pastorin der Matthias-Claudius-Kirchengemeinde und ehemalige Koordinatorin des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerkes Hannover empfiehlt den aufschlussreichen Vortrag von Till Rummenhohl „Sterben für das Paradies“. Rummenhohl war an der Rettungsmission von SOS Méditerranée mit dem Schiff Aquarius beteiligt, um vor der libyschen Küste Menschen, die sich in Seenot befanden, zu retten. Der Vortrag wird am 18. Februar, 19.00 Uhr, in der Matthias-Claudius-Kirche zu Gehör gebracht.