"Berufliche Möglichkeiten eingeschränkt"

Die israelischen Jugendlichen nehmen eine Menge Erfahrungen mit nach Hause.Foto: D. Lange

Deutsch-israelische Jugendbegegnung in Langenhagen

Langenhagen (dl). Zurzeit sind 22 israelische Jugendliche aus Shibli im Alter von 16 bis 18 Jahren zu einem 10tägigen Besuch in Langenhagen. Der Aufenthalt der Jugendlichen mit ihren Betreuern, unter ihnen Assad Shibli, der Vorsitzende des israelischen Partnervereins aus Palästina ist ein wesentlicher Bestandteil eines Jugendaustauschsprogramms, das gemeinsam von der IGS und dem Langenhagener Verein für Jugendbegegnungen organisiert wurde. Sie sind während dieser Zeit zu Gast bei Langenhagener Familien und im Oktober während der Herbstferien reisen 19 Langenhagener Jugendliche zu einem Gegenbesuch nach Israel, wo sie natürlich ebenfalls bei den dortigen Familien wohnen werden. Diese Jugendlichen sahen zur Einstimmung auf die Begegnung eine Performance über die Gesichter Israels und das Bild, das wir von diesem Land haben, gespielt vom Theater Löwenherz mit Hendrik Becker. Zur Aufarbeitung der Begegnungen im Juli und Oktober wird es eine zweite Performance dazu geben. Die Kontakte zu Menschen aus Untergaliläa in Israel bestehen seit Anfang der 90er Jahre und ergaben sich aus den politischen Begegnungen im Rahmen der Partnerschaft der Landkreise Hannover und Untergaliläa. Der Ort Shibli mit seinen rund 5.000 Einwohnern, die größtenteils von Beduinen abstammen, liegt im nördlichen Israel nahe der Westbank. "Die überwiegend im Norden ansässige arabische Minderheit besitzt zwar einen israelischen Pass, verfügt aber nicht unbedingt über die gleichen Rechte wie ihre jüdischen Landsleute", wie es Hans Norden, Studienrat a.D. und 1. Vorsitzender des Vereins für Jugendbegegnungen erklärt. „Die Schulen, die den deutschen IGS nicht unähnlich sind, sehen eine Trennung von arabischen und israelischen Schülern vor. Für die jüdischen Schüler ist Englisch die erste Fremdsprache, bei den arabisch sprechenden Schülern Hebräisch und erst an zweiter Stelle Englisch. Außerdem seien die arabischen Israelis vom dreijährigen Wehrdienst ausgeschlossen, was deren berufliche Möglichkeiten und Karrierechancen allerdings stark einschränke, denn die gutbezahlten Jobs seien oft vom geleisteten Wehrdienst abhängig. Während ihres Aufenthalts in Langenhagen nahm die Gruppe unter anderem auch an einem Empfang im Landtag durch den Landtagspräsidenten Dinkla teil. Im Anschluss an eine Führung hatten die Gäste aus Israel Gelegenheit, mit einigen Abgeordneten über verschiedene Themen wie Bildung, Religion und über den Konflikt im Nahen Osten zwischen Israelis und Palästinensern zu sprechen. Am Freitag kamen die israelischen Gäste zu einem Empfang im Langenhagener Rathaus durch Bürgermeister Fischer. Der Schulleiter und Vorsitzende des Partnervereins aus Shibli, der bereits das vierte Mal in Langenhagen ist, sprach in einer kurzen Rede von der Welt als einem globalen Dorf, in dem es für Grenzen keinen Platz mehr gäbe, und er wünscht sich einen verstärkten Dialog zwischen den Kulturen. Bürgermeister Fischer lud er zu einem Besuch in Shibli ein. Ein Besuch im hannoverschen Rathaus ermöglichte den Israelis aus Shibli auch einen Blick von oben aus der Rathauskuppel auf die Stadt. Der Höhepunkt wird dann am Donnerstag sicher die Fahrt nach Berlin mit dem Besuch des Reichstags und dem Shoa Mahnmal sein. Am Freitag darauf treten die Besucher aus Nahost dann den Rückflug in ihre Heimat an.