Betriebsratschef mit Gehaltskürzung gedroht

„Wir sammeln für unseren Kollegen“: Mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forderten mehr Mitbestimmungsrechte.Foto: O. Krebs

Desbrocksriede: Hackerodt-Mitarbeiter protestieren wütend gegen Geschäftsführung

Schulenburg (ok). Werden beim Langenhagener Traditionsunternehmen Albert Hackerodt Maschinen und Werkzeugbau die Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten? Fakt ist jedenfalls, dass massive Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung erhoben, die sich allerdings heftig wehrt. Der Reihe nach: Seit zweieinhalb Jahren gibt es in dem international agierenden Unternehmen an der Desbrocksriede mit mehr als 200 Beschäftigten einen vierköpfigen Betriebsrat mit dem Vorsitzenden Adriano Tesini an der Spitze. Dem ist nach Darstellung der IG Metall jetzt das Gehalt gekürzt worden, weil die Geschäftsleitung anzweifelt, dass die geleistete Betriebsratsarbeit erforderlich ist. Tesini ist nicht für seine Tätigkeit freigestellt, sondern arbeitet regulär im Unternehmen. „In den Monaten Januar und Februar hat er lediglich 13 bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit für seine eigentliche Arbeit im Betrieb eingebracht. Deshalb erwarten wir von ihm eine Stellungnahme über seine Tätigkeit als Betriebsrat in der restlichen Arbeitszeit“, sagt Christian Blawit, Mitglied der Geschäftsleitung. Für Januar und Februar habe er noch sein volles Gehalt bekommen, allerdings sei ihm eine „Verrechnung“ und Kürzung im März angedroht worden, wenn er sich nicht äußere. Tesini scheint aber nicht der Einzige zu sein, der Stress mit der Geschäftsleitung hat: Fast ein Dutzend Klagen sollen beim Arbeitsgericht Hannover anhängig sein, wo am kommenden Freitag, 15. März, ein Gerichtstermin in Sachen „Recht zur Mitbestimmung“ auf der Tagesordnung stehen soll. Blawit wollte gegenüber dem ECHO dazu nichts sagen, vielmehr verwies er auf die Rechtsabteilung des Unternehmens. Gesprächiger wurde der leitende Angestellte allerdings, als die Sprache auf den Gewerkschaftssekretär Frank Mannheim von der IG Metall kam. Gegen ihn wurde in der Tat ein Hausverbot verhängt, weil er die Unternehmensleitung als „kriminell“ bezeichnet haben soll. Rolf-Dieter Homeyer, der den Betriebsrat beratend unterstützt, kann sich auf die „plötzliche Kehrtwende“ keinen Reim machen. Mit der Gründung des Betriebsrates sei noch alles in Ordnung gewesen, in der jüngsten Vergangenheit habe es sich jedoch drastisch verschlechtert.
Stichwort Urlaubsverweigerung für vereinbarte Brückentage; ein Vorwurf, der auch noch im Raum steht. Der Betriebsrat habe Sonderschichten am Sonnabend nicht zugestimmt, weil er eine andere Auffassung als die Geschäftsführung über die Dringlichkeit von Lieferverpflichtungen für internationale Kunden habe. Blawit sieht aber eine große Notwendigkeit und deshalb müsse eben auch an den Brückentagen gearbeitet werden.
So wie sich die Situation nach der halbstündigen Aktion „Wir sammeln für unseren Kollegen“ jetzt darstellt, scheint das Tischtuch zerschnitten. Beide Seiten bekunden aber nach wie vor „Gesprächsbereitschaft, wollen sich bewegen, um Lösungen zu erreichen.
Ob es allerdings zu „Gesprächen auf Augenhöhe“ kommt, solange der Vorwurf des „Amtsmissbrauchs“ gegen den Betriebsratsvorsitzenden Adriano Tesini im Raum steht, darf bezweifelt werden. Wie heißt es in der offiziellen Presseerklärung des Unternehmens: "Die Auseinandersetzung ist notwendig, weil der Betriebsrat eine vernünftige, konstruktive Zusammenarbeit verweigert und stattdessen mit Eigenprofilierung und Aktionismus die Belegschaft gegen die Firmenleitung und die Gesellschafter aufwiegelt."