Blindgänger unter Schule und Supermarkt?

Zwei der vier verdächtigen Punkte sind bei der Sondierung auf dem Gelände der Adolf-Reichwein-Schule in Wiesenau geortet worden.Foto: O. Krebs
 
Auch unter dem real-Markt an der Hans-Böckler-Straße liegt möglicherweise eine Fliegerbombe.Foto: O. Krebs

Vier Verdachtspunkte in Brink und Wiesenau haben sich erhärtet

Langenhagen (ok). Bombenräumungen – für die Wiesenauer und Brinker fast schon Routine. Aber nur fast, denn die nächste am Sonntag, 29. Mai, hat es in sich. Von den vier Verdachtspunkten ist lediglich einer auf einem privaten Grundstück. Zwei allerdings auf dem Gelände der Adolf-Reichwein-Schule, davon einer direkt unter dem Gebäude. Und: Ein weiterer mitten unter dem real-Markt an der Hans-Böckler-Straße. Eine Situation, vor der die Verantwortlichen bei der Stadt Langenhagen, bisher noch nie gestanden haben. Ob es sich um Blindgänger handelt, kann aber erst am Tag der Freilegung sicher gesagt werden. „Bei Sondierungsarbeiten wurden magnetische Störungen im Erdreich festgestelllt“, erläutert Janine Burger aus dem Fachbereich Ordnungswesen. Sie betont, dass sich das Gefährdungspotenzial durch die Sondierung keinesfalls erhöht habe, das geschehe erst bei der so genannten Aufgrabung am 29. Mai. An dem Tag laufen Evakuierungsmaßnahmen für rund 7.700 Langenhagenerinnen und Langenhagener aus den Stadtteilen Brink, Wiesenau und Godshorn; darüber hinaus müssen auch etwa 500 Vinnhorsterinnen und Vinnhorster ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Wieder einmal betroffen: die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims Bachstraße. Gesperrt werden müssen während des Bergungszeitraums auch Teilabschnitte der A 2 und der Flughafenstraße.
In der kommenden Woche soll genau festgelegt werden, wo der obligatorische 1.000-Meter-Radius liegt. Sammelstelle wird auf auf jeden Fall das Schulzentrum an der Konrad-Adenauer-Straße sein.
Bis zum 29. Mai haben alle Beteiligten auf jeden Fall alle Hände voll zu – so müssen zum Beispiel Bodengutachten erstellt, Grundwasser abgesenkt und die Rettungsdienste informiert werden. Zunächst aber waren die Lehrer und Elternvertreter der Adolf-Reichwein-Schule an der Reihe, sie sind am Dienstagnachmittag von den Ergebnissen der Sondierung informiert worden. Ergebnis der Besprechung: Die Schule an der Hackethalstraße wird bereits am Freitag, 20. Mai, geschlossen; für die Schülerinnen und Schüler steht in den Tagen darauf eine Projektwoche auf dem Programm. Auch die Verantwortlichen des real-Marktes wollen im Vorfeld alle Hebel in Bewegung setzen, dass „alles sauber über die Bühne geht“. Albrecht von Truchseß, Leiter der real-Unternehmenskommunikation in Mönchengladbach: „Wir verfügen über eine Menge Erfahrung, haben in manchen Märkten schon bei laufendem Betrieb den Boden ausgewechselt“. Gleichwohl: Die Möglichkeit, dass eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unter einem Einkaufsmarkt der Handelskette liegen könnte, ist auch ihm neu und bedeute eine „spannende Erfahrung“. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Langenhagen sei allerdings hervorragend und stimme ihn sehr zuversichtlich. Die 133 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gestern Nachmittag informiert worden. Zu einer möglichen Schließung könne er zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, aber es gebe eine klare Marschroute. „Wir gehen natürlich kein Risiko ein, die Sicherheit unserer Kundinnnen und Kunden hat höchste Priorität, entstehende Kosten sind nachrangig“, betont von Truchseß. Bisher war es immer so, dass die Stadt Langenhagen zumindest die Wiederherstellungskosten freiwillig übernommen hat; fürs Jahr 2011 sind bisher 200.000 Euro für den Posten Bombenentschärfung im Etat vorgesehen, 2009 und 2010 sind insgesamt 800.000 Euro für Räumungen ausgegeben worden. Das Thema „sichere Stadt“ steht für Bürgermeister Fischer ganz weit oben, und gerade deshalb findet er die Entscheidung des Landes Niedersachsen, den Kampfmittelbeseitigungsdienst zum Ende des Jahres zu privatisieren „unverantwortlich“. Fischer: „Die machen eine Superarbeit in einem Bereich, der ganz klar zu den hoheitlichen Aufgaben gehört.“ Seien Strukturen erst einmal zerschlagen, sei es schwer sie wieder aufzubauen. Für die zuständige Fachbereichsleiterin Karin Saremba ist „vertrauensvolle Arbeit bei diesem Thema sehr wichtig“. Was den 29. Mai angeht: Der Termin ist mit der Stadt Hannover getauscht worden, die mit einer geplanten Bombenräumung auf einen anderen Termin ausweicht; im Juni sollen wegen der vielen Feiertage zum einen und im Gedenken an die drei Todesopfer in Göttingen vor Jahresfrist zum anderen möglichst keine Enrtschärfungen stattfinden. Karin Saremba warnt vor Panikmache: „Obwohl sich die Verdachtspunkte erhärtet haben, hat sich das Gefahrenpotenzial nicht erhöht.“ Vielleicht entpuppe sich der eine oder andere Fundort am Ende als Metallschrott. Sie bittet die Bürgerinnen und Bürger zum jetzigen Zeitpunkt von Rückfragen im Rathaus abzusehen – über die Presse werde kontinuierlich bis zum 29. Mai informiert, außerdem rechtzeitig Handzettel verteilt und ein Bürgertelefon geschaltet.