Bürgerinitiativen formieren sich

Dieter Poppe (hinten links) und Holger Zenz informierten im Krähenwinkler Dorfgemeinschaftshaus über den Stand der Dinge und über die geplante Klage gegen den Nachtflugbetrieb am hiesigen Flughafen. (Foto: D. Lange)

Klage gegen nächtlichen Fluglärm diskutiert

Krähenwinkel (dl). „Endlich wieder nachts bei offenem Fenster schlafen können“. Um diesen Wunsch aller von Fluglärm Geplagten zu erfüllen, ist es noch ein steiniger Weg mit ungewissem Ausgang. Den zu beschreiten der lose Zusammenschluss von sieben Bürgerinitiativen in der Region für ein Nachtflugverbot allerdings fest entschlossen ist. Dazu sammelt der Interessenverbund „Besser ohne Nachtflug – Airport Hannover“ (BON-HA) seit einiger Zeit Spenden, um gegen die noch bis Ende 2019 bestehende Nachtfluggenehmigung und deren geplante Verlängerung zu klagen. Etwa 13.000 Euro sind bereits zusammen gekommen, benötigt würden aber 50.000 bis 80.000 Euro, um die Klage gegebenenfalls auch durch mehrere Instanzen finanzieren zu können, so die Initiative. Hilfe kommt dabei vom Umweltverein Isernhagen und Umgebung, die das Bündnis in die Lage versetzt, Spendenquittungen ausstellen zu können. Auch "Die Linke" in Langenhagen will die geplante Klage unterstützen und hat einen Antrag an den Rat der Stadt Langenhagen eingebracht, eine Summe von 15.000 Euro bereitzustellen mit dem Ziel, die Klage der BON-HA inhaltlich und finanziell zu unterstützen. Dieser Betrag wird mit einem Sperrvermerk versehen und erst zugewiesen, wenn die von der BON-HA für einen Klage veranschlagten 50.000 Euro zusammen gekommen sind. Um die Klage juristisch einwandfrei und wasserfest vorzubereiten, hat die Initiative mit einer Fachanwältin Kontakt aufgenommen, die bereits die Bürgerinitiativen im Bereich des Frankfurter Flughafens erfolgreich beraten hat. „Wir wollen nicht riskieren, nur wegen eines Verfahrensfehlers abgelehnt zu werden“, sagte Dieter Poppe aus Altwarmbüchen, Sprecher der Initiative BON-HA. Er ist optimistisch: „Wir haben in unseren Reihen zwei Arbeitsmediziner, einen Richter und einen Rechtsanwalt, die uns in Fachfragen helfen können“. So wie Frankfurt als größter deutscher Flughafen kämen auch die direkten Mitbewerber des Langenhagener Airports wie Bremen, Hamburg oder Düsseldorf ohne Nachtflugbetrieb aus. München und Stuttgart ebenso, was zeigt, dass wirtschaftliche Argumente für einen Nachtflugbetrieb nur bedingt tauglich sind. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, legt Poppe Wert auf die Feststellung:"Wir sind nicht gegen den Flughafen, im Gegenteil, wir wissen um die große wirtschaftliche Bedeutung des Standorts." Die Initiative setze sich aber für einen umweltverträglichen Flughafen ein ohne nächtlichen Fluglärm zwischen 22 und 6 Uhr, und die Vergleichsbeispiele anderer Standorte zeigten, dass das möglich ist. Rund 40 bis 50 Interessierte aus den betroffenen Kommunen trafen sich jüngst in Krähenwinkel, um sich über den Stand der Dinge und das weitere gemeinsame Vorgehen zu informieren. Einig ist man sich darin, dass nur eine Klage auf der Basis von medizinischen Aspekten, möglicherweise auch auf EU-Ebene, einigermaßen Aussicht auf Erfolg bietet. Bis Ende 2019 muss das Niedersächsische Wirtschaftsministerium eine Neufassung der Betriebsgenehmigung vorlegen. „Wir haben also jetzt die Chance und die Möglichkeit, aktiv zu werden“, betonte Dieter Poppe. Dass nächtlicher Fluglärm und eine in diesem Zusammenhang fortdauernde Schlaflosigkeit nachweislich die Gesundheit schädigt, steht inzwischen ohnehin außer Frage und ist in vielen Gutachten, zuletzt von der Uni Mainz, zweifelsfrei festgestellt und bestätigt worden.