Bürgermeister ruft zum Protest auf

Sie setzten vor Ort an der Kieskuhle nördlich von Negenborn ein Zeichen des Bürgerprotestes: (von links) Umweltdezernent der Region Axel Priebs, Bürgermeister Tjark Bartels und Umweltschutzbeauftragte in der Wedemark Ursula Schwertmann. (Foto: G. Gosewisch)

Massive Ausweitung des Kiesabbaus am Brelinger Berg

Negenborn (gg). Nur noch wenige Tage, dann könnte eine Änderung des Raumordnungsprogramms durch die Landesregierung das Landschaftsbild am Brelinger Berg nördlich von Negenborn für die nächsten Jahrzehnte verändern. Es geht um die zwei bereits bestehenden Kiesabbau-Kuhlen, die von der Firma Papenburg betrieben werden und eine 40 Hektar große geplante Erweiterung der Kiesabbau-Fläche, mit der eine Verbindung der beiden Kuhlen herstellt werden soll. Dagegen gab es bereits vor sieben Jahren Argumente. Die Region Hannover, Trägerin der Regionalplanung, hatte einen Ausgleich der Interessen der Rohstoffwirtschaft, des Naturschutzes und der Erholungsplanung hergestellt und einen Kompromiss erarbeitet. Der sieht vor, dass es zwar eine Erweiterung einer Kuhle gibt, aber nicht die Schneise, die die zwei Kuhlen verbindet und zu einem gigantischen Abbaugebiet formt. „Völlig überraschend liegt nun eine Drucksache vor, die den Kompromiss bei Seite schiebt“, erklärt Axel Priebs, Dezernent für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover. Zur Beratung steht im Ausschuss der Landesregierung schon am 8. Juni und im Plenum ab dem 22. Juni tatsächlich der „Schneisen-Plan". Der wird mit einem Bedarf des abgebauten Kies begründet. Allerdings gibt es für die bestehenden Kuhlen Abbaurechte mit Gültigkeit bis zum Jahr 2045. „Die Ressourcen sind noch lange nicht erschöpft“, meint Priebs und vermutet, dass der Betreiber, Firma Papenburg, seine Beziehungen zur Landesregierung hat spielen lassen und eine interne Absprache getroffen hat.
Prekär ist, dass sowohl am 8. als auch am 22. Juni lediglich ein Votum ausgesprochen werden kann. Die Landesregierung kann darüber hinweg entscheiden, so oder so. Priebs erklärt: „Es ist eine rechtliche Frage, ob der in den Gremien erarbeitete Kompromiss, von der Landesregierung in dieser Weise bei Seite geschoben werden darf. Wir prüfen das. Einspruch haben wir ohnehin schon erklärt.“ Er spricht von einem geplanten „Durchbaggern“ des Brelinger Bergs und einer Zerstörung des Landschaftsschutzgebietes. Ursula Schwertmann, Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Wedemark ergänzt: „Die bestehenden Biotope in diesem Bereich sind besonders wertvoll.“ Bürgermeister Tjark Bartels sieht den Wert des Naherholungsgebietes vor der Zerstörung: „Der Brelinger Berg ist ein wichtiges Stück Identität für alle Wedemärker, das lassen wir uns nicht nehmen und rufen zum Protest auf.“ Kostenlos können Bürger im Rathaus der Gemeinde Wedemark Protest-Buttons und Autoaufkleber mit dem stilisierten Zeichen der drohenden Zerstörung des Brelinger Bergs abholen. Über die Medien soll der Bürgerprotest abgebildet werden und so Druck auf die Landesregierung ausgeübt werden.