Da ist der Name fast schon Programm

Der Ball ist sein Freund. Der zwölfjährige Étienne will den großen Sprung wagen.Foto: R. Thode

Jugendspieler auf dem Sprung nach oben

Engelbostel (rt). Die Straße ist eng. Der Asphalt hat schon bessere Tage erlebt. Die drei älteren Sportler bemerken erst spät, dass sie die komplette Fahrbahn einnehmen. Ein, zwei Schritte zur Seite, dann wird das Fahrzeug schon durchpassen. Gut das die Hofeinfahrt des örtlichen Reinigungsdienstes Platz zum Wenden lässt. Geparkt wird direkt vor der Haustür. Es ist ein schickes Einfamilienhaus, rot verklinkert. Nach kurzem Klingeln öffnet sich die Tür. Der Hausherr im gestärkten, weißen Hemd strahlt über das ganze Gesicht. Man kennt sich. Nach kurzer Begrüßung führt der Gang ins Wohnzimmer. Gemütlich haben sie`s in Engelbostel. Die Gattin hat noch schnell den Rasen gemäht. Ein Schnitt von hoher Qualität. Doch der Grund des Besuches kommt erst später. Der Sprössling im Hause Carrière ist 1,52 Meter groß und 38 Kilogramm leicht. Außergewöhnlich ist dies für einen zwölfjährigen Jungen allerdings nicht. Er hat keine Berührungsängste, ist wohlerzogen und ein sympathischer Bengel. Es scheint alles im Lot hier in Engelbostel. Und doch ist die Welt von Susanne, André und Ètienne in den vergangenen Tagen etwas aus den Fugen geraten. Zu tun hat das mit den überragenden Fähigkeiten des Filius. Mit dem Runden, das ins Eckige muss, kann er außerordentlich gut umgehen. Seit sechs Jahren jagt er dem Fußball hinterher, der für Millionen Fans in Deutschland das Nonplusultra bedeutet. Begonnen hat alles im Tor, weitergehen soll es nun für den Linksaußen der D-Jugend des HSC Hannover in Bremen. Beim großen SV Werder Bremen haben sie ein Auge auf den Siebtklässler der IGS Langenhagen geworfen. Schnelligkeit, Spielintelligenz und das bescheidene Auftreten waren Attribute, die sich bis nach Bremen herumsprachen. Der Trainer der U12 meldete sich daher flugs bei Susanne um einen Probetrainingstermin klar zu machen. Danach ein Testspiel mit den neuen Kollegen in Marklohe gegen eine Auswahl des DFB-Stützpunktes Nienburg. Étienne spielt auf einer fremden Position, weiß jedoch zu überzeugen. Und ein Tor hat er beim 3:0-Sieg natürlich auch erzielt. Um die 60 waren es in der vergangenen Saison beim HSC. „Nach dem Testspiel und dem guten Eindruck beim Probetraining waren wir uns einig, Ètienne gern zu uns holen zu wollen. Wir möchten ihm die Chance geben, sich in den nächsten zwei Jahren weiterzuentwickeln“, sieht Björn Schierenbeck, Ex-Profi und Koordinator des Leistungszentrums gute Ansätze beim Linksfuß. „Uns haben die Gespräche in Bremen sehr gut gefallen. Die Menschlichkeit ist ganz, ganz wichtig für uns. Auch die IGS Langenhagen hat sich sehr kooperativ gezeigt“, freut sich Mama Carrière. Auch Hannover 96 und der VfL Wolfsburg hatten angeklopft. Da passten die Rahmenbedingungen allerdings nicht. Jetzt muss an allen Fronten neu organisiert werden. Die Mutter übernimmt die Fahrten zum Training. Zweimal die Woche zum Treffpunkt Allertal, dann übernimmt der Shuttleservice des Bundesligisten den Rest. Abends dann wieder abholen. Wird stressig. Da muss der Ehegatte im Haushalt verstärkt mit anpacken. Die dritte Trainingseinheit gibt es beim HSC. Mit den alten Kumpels. Gestern noch Hertha Otze, bald schon Trainingslager in Westerstede und danach Challenge-Cup in Otternfing, in der Nähe von München. Gegen die großen Bayern, Nürnberg und Augsburg. Ein Quantensprung. Doch selbstbewusst ist der kommende U13-Spieler allemal. „Ich habe mich bisher immer weiterentwickelt. Beim HSC hat es mir am besten gefallen. Da war der menschliche Umgang am schönsten. Ich hoffe, dass ich in Bremen viele Tore schießen werde und Erfolg mit der Mannschaft habe“. Der Vater bremst ein wenig. „Wichtig ist, dass er gesund bleibt. Er muss noch eine Schippe drauflegen. Doch Ètienne wird seine Einsatzzeiten bekommen. Er wurde nicht für die Bank geholt“. Seine Frau legt noch einen drauf. „Ètienne hat den Ehrgeiz es zu schaffen“. Ein Blick in die Vergangenheit macht Mut. Freundschaftsbücher sind der Renner in Kitas und Kindergärten. Wenn bei anderen Kindern der Berufswunsch oftmals zwischen Feuerwehrmann, Arzt oder Busfahrer wechselte, hatte Ètienne schon ganz konkrete Vorstellungen. Er wollte seit jeher Fußballprofi werden. Der Weg dahin scheint noch weit, doch die ersten hoffnungsvollen Schritte sind bereits gemacht. Los geht’s am 15. September in der Bremer Stadtliga.