„Dann gibt es nur eins - sagt nein“

Etwa 400 Frauen und Männer waren zur Mahnwache in den Rathausinnenhof gekommen. (Foto: A. Hesse)
 
Bürgermeister Mirko Heuer musste seine persönliche Rede wegen aufkommender Tränen immer wieder unterbrechen. (Foto: A. Hesse)

Knapp 400 Menschen kamen zur Mahnwache für den Frieden

Langenhagen. Knapp 400 Menschen werden es wohl gewesen sein, die in dieser Woche zu einer Mahnwache für den Frieden im Innenhof des Rathauses in Langenhagen zusammenkamen. Gemeinsam hatten die Stadt Langenhagen und der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen dazu aufgerufen, um in Gemeinschaft für den Frieden einzustehen, wie Bürgermeister Mirko Heuer sagte.
„In all unserer Sprachlosigkeit wollen wir auch im Gebet nach gemeinsamen Worten suchen und wie Menschen auf der ganzen Welt unsere Ängste und unsere Hoffnung auf Frieden vor Gott bringen“, lud Pastor Rainer Müller-Jödicke, stellvertretender Superintendent im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, die Menschen ein. Aufgrund einer Fortbildung in Berlin konnte er nicht selbst teilnehmen, hielt aber aus der Ferne per Messenger Kontakt.
„Mir fehlen nicht die Worte, ich habe eher zu viele“, leitete Heuer seine Ansprache ein. „Es ist wie Brei im Kopf und es fällt mir schwer, die Gedanken zu sortieren.“ Angst, Sorge und Entsetzen über unendliches Leid seien da; aber auch Dankbarkeit für den seit mehr als 75 Jahren in Europa währenden Frieden; Wut auf einen einzelnen Narzissten, Aggressor und Despoten; Dankbarkeit dafür, dass er persönlich kaum größere Sorgen habe, als den Einbau einer zweiten Batterie in den alten VW-Bus seiner Tochter. „Und in diese Dankbarkeit mischt sich schon wieder Scham, weil ich so dankbar sein kann“, fährt der Bürgermeister fort – immer wieder schluckt er und muss seine sehr persönliche Rede wegen aufkommender Tränen unterbrechen. Seine Dankbarkeit sei verbunden mit großem Respekt für alle Menschen, die sich gegen den Krieg auflehnten: „Das Zusammenstehen so vieler gegen diesen Krieg hat wohl auch Putin überrascht.“
Stellvertretend für den Kirchenkreis und die Langenhagener Kirchengemeinden ergriffen die Pastoren Falk Wook, Torsten Kröncke und Frank Foerster das Wort. Wook zitierte den Schriftsteller Wolfgang Borchert, dessen pazifistischer Aufruf „Dann gibt es nur eins!“ zu einem Leitmotiv der Friedensbewegung wurde. „Mütter, wenn sie eure Söhne für den Krieg wollen, dann gibt es nur eins: sagt nein!“, zitierte Wook; dieses „sagt nein!“ wolle er auch den Menschen in Russland zurufen. „Gott hat uns diese Welt treuhänderisch übergeben“, so Godshorns Pastor weiter. Er forderte dazu auf, mit Solidarität und Mitleiden, mit Sanktionen und der Bereitschaft, unbequem zu sein, den Weg des Friedens zu gehen – auch wenn das für jede und jeden Einzelnen Konsequenzen habe.
„Gott will keinen Krieg, er steht auf der Seite der Schwachen“, sagte Torsten Kröncke, Pastor der Elisabeth-Kirchengemeinde. Er zitierte aus den Seligpreisungen der Bergpredigt, die Kraft zum Handeln geben könnten: „Ich glaube fest daran, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist.“ Kraft geben könnten auch die Friedensgebete, die in diesen Tagen in vielen Kirchen in Langenhagen und überall in Europa stattfinden. Frank Foerster, Pastor in St. Paulus, beschloss die Ansprachen mit einem Gebet; im Anschluss daran sangen die Menschen gemeinsam John Lennons Friedenshymne „Imagine“.
Stadträtin Eva Bender, bei der die Fäden der Organisation zusammenliefen, dankte allen Teilnehmenden der Mahnwache für ihre Unterstützung. Das Team aus dem Rathaus verteilte 300 Kerzen an die Menschen im Rathaushof und hätte noch 100 weitere ausgeben können – am Ende bildeten die Lichter ein großes Freiheitssymbol auf dem Pflaster.