Das „Brennglas“ der Wirtschaft

Das ECHO hat Tradition: ECHO-Verlagsleiter Thorsten Schirmer (Mitte) mit Marco Brunotte (links) und Stefan Schostok, die interessiert in den Ausgaben blättern, die zeitnah an ihren Geburtstagen liegen.Foto: O. Krebs

SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Schostok besucht die ECHO-Redaktion

Langenhagen (ok). Er hat das hingelegt, was landläufig als Blitzstart bezeichnet wird. Stefan Schostok (47), erst 2008 in den Niedersächsischen Landtag gewählt und nach zweieinhalb Jahren zum Fraktionschef der Sozialdemokraten im Parlament aufgestiegen. Zusammen mit dem hiesigen Landtagsabgeordneten Marco Brunotte (34) traf sich Schostok jetzt mit ECHO-Verlagsleiter Thorsten Schirmer und Oliver Krebs, verantwortlicher Redakteur für Langenhagen, zum Redaktionsgespräch. Übrigens nach Sigmar Gabriel (SPD) und dem jetzigen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) bereits der dritte Fraktionsvorsitzende, der beim traditionsreichen Wochenblatt vorbeischaute, auch der frühere SPD-Landesvorsitzende Garrelt Duin gab sich bereits die Ehre. Und schnell wurde beim Besuch deutlich, dass die beiden Berufspolitiker – sie kennen sich schon seit ihren Zeiten bei den Jusos – viel voneinander halten und beide auf Teamwork setzen. „Marco Brunotte ist mit einer ganz tiefen kommunalpolitischen Erfahrung in den Landtag gekommen. Es gibt kein Thema im Landtag, das nicht auch für Langenhagen eine Rolle spielt. Wenn Langenhagen bei einem Thema nur zu zehn Prozent betroffen ist, habe ich Marco immer so erlebt, dass er sich umso reinhängt hat. Er ist der perfekte Politiker, wie man sich das als Bürgerin und Bürger vorstellt.“ Brunotte spielt den Ball gern zurück, unterstreicht die Führungsqualitäten Schostoks als Fraktionschef, hebt dessen akribische Vorbereitung auf Themen hervor. Denn Schostok will „konzeptionell etwas entwickeln“, findet die Vernetzung der politischen Ebenen außerordentlich wichtig. „Wir müssen Brücken schlagen.“ An erster Stelle zähle zunächst einmal die Erfahrung, ständige Wechsel seien eher kontraproduktiv. Marco Brunotte und er hätten vorgemacht, dass man auch über das „eigene Revier“ hinaus gemeinsam erfolgreich gestalten kann. „Gestalten“ – ein ganz wichtiger Begriff im Wortschatz Schostoks, macht er doch deutlich, wie er Politik versteht. „Wir sind nicht dafür da, Nachrichten zu machen, das machen die Zeitungen schon selber. Vielmehr müssen wir gestalten“, so Stefan Schostok schmunzelnd. Langenhagen sei wegen seiner „hervorragenden Infrastruktur“ geradezu ein Paradebeispiel für gestaltende Wirtschaftspolitik, hier liefen viele Fäden im Land zusammen, die Stadt habe quasi die Funktion eines „Brennglases“. Was Logistik und Luft- und Raumfahrt angehe, gebe es hier „hervorragende Chancen“. Aber auch darüber hinaus gebe es keine bedeutende Themen, die in Langenhagen keine Rolle spielten. Grundsätzlich müsse aber in größeren Zusammenhängen gedacht werden; für die Landespolitik heiße das, die Landeshauptstadt auf der einen Seite zwar zu stärken, die Fläche andererseits aber nicht zu vernachlässigen. Marco Brunotte ergänzt: „ich muss alles gesehen haben, um Politik fürs Land machen zu können.“ Die kommunale Selbstverwaltung dürfe aber nicht beeinträchtigt werden, da sind sich beide einig, aber Langenhagen habe schon eine Eigenständigkeit entwickelt. Grundsätzlich hält Schostok Politik für lebensnotwendig, findet jede Entwicklung spannend und versucht, sie zu verstehen. Und angesichts des demographischen Wandels spiele die politische Nachwuchsförderung auch in den Reihen der SPD eine ganz große Rolle. Politik an sich stehe in Zeiten der Bankenkrise vor einer großen Herausforderung, müsse beweisen, ob sie handlungsfähig sei oder nicht. Klarheit und Transparenz seien gefordert. Stefan Schostok: „Das Vertrauen ist noch nicht vollständig erschüttert, aber die Gefahr besteht durch die zögerliche Politik der Bundesregierung. Wir müssten jetzt wieder parallel zu den Rettungsschirmen zur Stärkung der eigenen Strukturen zurückfinden.“