Das offene Klavier in Langenhagen – ein Rückblick

Zum offenen Singen rund um das Klavier auf dem Marktplatz kamen immer viele Sangesfreudige. Foto: Andrea Hesse
Langenhagen. Es fing ganz harmlos an: Eigentlich wollte eine Arbeitsgruppe der Initiative „Offene Gesellschaft Langenhagen“ einen kleinen Film drehen, um auch junge Menschen zu erreichen und auf die Initiative aufmerksam zu machen. Von der Idee mit dem offenen Klavier waren alle gleich begeistert, und nach 105 Tagen ab dem ersten gemeinsamen Gedanken daran wurde am 31. Mai die Eröffnung auf dem Marktplatz gefeiert. Der achtminütige Film der 19-jährigen Lea „Ein offenes Klavier für Langenhagen“ auf YouTube wurde bereits mehr als 500 Mal aufgerufen.
Aber wie ging es dann weiter? Nun stand das bunte Klavier da also spielbereit von morgens um 9 bis abends um 20 Uhr in seinem offenen Häuschen auf dem Marktplatz und sorgte bei vielen erstmal für Irritationen. Was hatte es damit auf sich? Wem gehörte das Klavier? Kann man einfach so darauf spielen? Was kostet das? Die Spekulationen reichten vom Casting über eine Werbekampagne, um Kinder für das Klavierspielen zu begeistern, bis zur kostenlosen Möglichkeit, Menschen über die Musik miteinander in Kontakt zu bringen.
Das Klavier wurde von Anfang an sehr gut angenommen, fast immer erklang Klaviermusik, wenn man über den Marktplatz ging, egal zu welcher Uhrzeit. Viele Schüler nutzten es in kleinen Gruppen in den Freistunden oder nach Schulschluss, aber auch viele andere Menschen, die Zuhause kein eigenes Klavier hatten oder einfach diesen besonderen Ort zum Spielen nutzen wollten. Eine Mutter mit ihrem Sohn, die vor zwei Jahren aus Syrien geflüchtet war, gab ihm jeden Tag Klavierunterricht darauf, ebenso andere Eltern. Es wurde eine bunte Fangemeinde mit vielen Stammspielern, sogar eine Band traf sich regelmäßig am Klavier, und es war schön zu merken, dass die Idee aufging: Musik berührt und verbindet die Menschen – jung und alt, arm und reich, unabhängig von Sprache, Herkunft und Nationalität. Auch viele Kinder probierten ihr Talent auf dem Klavier aus, einige berichteten, sie wollen nun gerne richtig Klavierspielen lernen und Unterricht nehmen, andere zeigten stolz, was sie schon spielen konnten. Es war schön, so viele verschiedene Menschen kennenzulernen, mit denen man sonst nicht ins Gespräch gekommen wäre.
Zusätzlich wurde jeden ersten Freitag um 17 Uhr ein offenes Singen initiiert sowie jeden dritten Freitag im Monat ein Konzert mit einem Pianisten oder Chor. Auch da fanden sich schnell Stammgäste, die die Konzerte und das gemeinsame Singen unter freiem Himmel genossen in diesem wunderbaren Sommer, und gerne Teil des „Offenen Langenhagen-Chores“ wurden und immer noch sind. Die Anzahl der Sitzbänke musste von mal zu mal aufgestockt werden.
Georg und andere fleißige Klavierhäuschen-Aufschließer machten nicht selten die Erfahrung, dass sie bereits ungeduldig erwartet wurden, und Constantin berichtete, dass das Klavier auch um 20 Uhr noch sehr viel genutzt wurde und sich gemütliche Gruppen um das Klavier gebildet hätten, die ihn manchmal noch überreden konnten, etwas später zuzumachen, weil es gerade so schön war. Im ausgelegten „Meinungs- und Erlebnisbuch offenes Klavier“ haben viele Erwachsene und Kinder positive und dankbare Rückmeldungen oder interessante Zeichnungen hinterlassen, manchmal auch einen kleinen Einblick in die aktuelle Gefühlswelt, zum Beispiel „das ist sehr gut aber nervt, wenn meine Cousine spielt“ oder „Wir waren hier und der Christian hat wunderschön gespielt wie Mozart. Liebe Grüße Sophia“ („Da habe ich mich gleich in ihn verliebt“ stand in anderer Schrift darunter…).
Die Öffnungszeiten des Klaviers wurde den Bedürfnissen angepasst. Das zuverlässige Auf- und Zuschließen zu gewährleisten war für die Handvoll ehrenamtlich Aktiven, die überwiegend noch berufstätig sind, nicht immer einfach über die vier Sommermonate hinweg, da würde man sich sehr über Unterstützung freuen. Vielleicht als eine Art Klavierpaten, die auch mal nach dem Rechten gucken, wenn sie sowieso auf dem Marktplatz sind.
Die Unkenrufe im Vorfeld, dass das Projekt schnell dem Vandalismus zum Opfer fallen würde, haben sich erfreulicherweise überhaupt nicht bestätigt. Sicher wurde ab und zu mal achtlos weggeworfener Müll am Klavier entsorgt und die Tasten mussten von Eiscreme befreit werden oder kleine Kinder und ihre Eltern mussten überzeugt werden, dass ein Klavier ein Musikinstrument und kein Krachmacher ist, aber ansonsten sind die Langenhagener über den langen Sommer hinweg sehr achtsam mit dem Klavier und seinem Häuschen umgegangen. Danke dafür!
Das Klavier, das derzeit Dank der Werbegemeinschaft des CCL dort untergebracht ist und seit Oktober zum offenen Singen und zu Konzerten im Obergeschoss unter der Lichtkuppel zum Einsatz kommt, wird voraussichtlich ab Mai wieder auf dem Marktplatz zum Spielen einladen.
Mehr Informationen über das offene Klavier, die Konzerte, alle Termine und andere Aktivitäten der Initiative finden Interessierte unter www.offene-gesellschaft-langenhagen.de.