"Das sind wohl die Gene"

Ilse Schmidt gehört zu den ältesten Bürgerinnen Langenhagens und zu den weiteren 350 in der Region Hannover. Foto: E.A. Nebig

Ilse Schmidt vollendete am Dienstag ihr 100. Lebensjahr

Langenhagen (ne). Ilse Schmidt, geborene Beck, beging am vergangenen Dienstag, im engsten Familienkreis, der aus Thüringen anreiste, einen sehr seltenen Geburtstag. Sie vollendete das 100. Lebensjahr. Als Gratulanten erschienen die 1. stellvertretende Regionspräsidentin Doris Klawunde und der 1. stellvertretende Bürgermeister der Stadt Langenhagen, Willi Minne. Klawunde überbrachte Glückwünsche der Landesregierung und der Region, Minne die der Stadt Langenhagen. Bundespräsident Christian Wulff übersandte ein persönliches Glückwunschschreiben. Die Jubilarin gehört nun zu den mehr als 350 Bürgerrinnen und Bürgern in der Region Hannover, die 100 Jahre oder älter sind. Die jetzige Jubilarin wurde als Tochter eines kaiserlichen Postbeamten in Bad Sulza in Thüringen geboren. Viel kann sie aus ihrem langen Leben erzählen; hautnah erlebte sie deutsche Geschichte. Sie ist Zeitzeugin historischer Ereignisse in zwei Jahrhunderten mit zwei Welt- und vielen weiteren Kriegen, Terrorismus sowie Naturkatastrophen. Sie wurde im Kaiserreich geboren, wuchs in der Weimarer Republik auf, erlebte als junge Frau das Dritte Reich der Nationalsozialisten, dann die Sowjetzone und die Teilung Deutschlands sowie die Wiedervereinigung. Nach ihrer Schulausbildung, die sie zur Regierungszeiten von Kaiser Wilhelm II. begann, trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters. Sie arbeitete in Erfurt, der heutigen Landeshauptstadt Thüringens, als Postangestellte in einem Telegraphenamt der Reichspost. Im Zweiten Weltkrieg musste sie in Arnstadt in einem Rüstungsbetrieb schuften, der Munition für die Marine herstellte. In der DDR machte man ihr das Leben schwer. Ihr Ehemann befand sich in russischer Kriegsgefangenschaft, lange wusste sie gar nicht, ob er noch lebte. 1956 zog sie mit ihrem Sohn aus der thüringischen Heimat in den Westen. Das war damals auf dem Wege der von Konrad Adenauer mit der Sowjetunion vereinbarten Familienzusammenführung noch möglich, wenn auch nicht unproblematisch. In Hannover wurde ein neuer Anfang gemacht. Seit mehr als 30 Jahren lebt sie in Langenhagen und fühlt sich hier heimisch. Die Kontakte zur Verwandtschaft in Thüringen hat sie aber nie abgebrochen. Die DDR-Behörden erschwerten ihr aber die Besuche bis zur Wende im Jahre 1989 zunehmend. Von Doris Klawunde nach dem Geheimnis ihres hohen Alters gefragt, sagte sie unter anderem: „Das sind wohl die Gene, in meiner Familie wurden sehr viele Frauen und Männer sehr alt. Den 100. Geburtstag hat allerdings niemand von ihnen erlebt.“ Das ECHO wünscht der Jubilarin weiterhin viel Gesundheit und weitere glückliche Jahre auf dem weiteren Lebensweg.