"Das THW heirate ich gleich mit"

Mit Urkunden und Ehrenzeichen (von links): Pierre Graser, Reinhard Mechler, Ewald Nagel und Wolfgang Schidlowski.Foto: D. Lange
 
Das Team des THW zeigte, was es drauf hat.Foto: D. Lange

Viele Eindrücke beim Sommerfest des Ortsverbandes Hannover/Langenhagen

Langenhagen (dl). Beim Technischen Hilfswerk (THW) gehört praktisches Arbeiten ganz offensichtlich zum alltäglichen Handwerk. Zu Beginn des Sommer- und Familienfestes des THW an der Wiesenauer Straße machte am vergangenen Sonnabend ein starker Wind mit anschließendem Regen einen kurzfristigen und schnellen Umzug in die große Fahrzeughalle notwendig. Im Nu waren die Fahrzeuge draußen und dafür standen die Tische, Bänke und der Grill in der Halle und das Fest, mit dem sich der THW Ortsverband Hannover/Langenhagen auch einmal bei den Familien und den Ehepartnern bedanken wollten, konnte fortgesetzt werden. Der ehrenamtliche Dienst im THW ist ja nur möglich, wenn auch die Angehörigen das Engagement des Ehepartners mittragen. Die Frau des Pressesprechers, Pierre Graser, drückte es bei ihrer Hochzeit schon sehr pragmatisch aus, als sie sagte: „Das THW heirate ich gleich mit“ Das Sommerfest war also auch gleichzeitig der Anlass, sich bei den Familien für das „Entbehren“ der zumeist Väter und Ehemänner zu bedanken und um besonders verdiente und langjährige Mitarbeiter zu ehren und auszuzeichnen. Pierre Graser, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, ist seit 33 Jahren im THW aktiv und erhielt vom stellvertretenden Landesbeauftragten das Ehrenzeichen in Silber. Der Ortsbeauftragte Ewald Nagel war vor rund sieben Jahren maßgeblich an der Verschmelzung der beiden Ortsverbände Hannover und Langenhagen zum heutigen Ortsverband Hannover/Langenhagen beteiligt. Er erhielt für seine 25-jährige aktive Zeit das Ehrenzeichen in Bronze. Allein Reinhard Mechler und Wolfgang Schidlowski repräsentieren mehr als 100 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit im THW, denn sowohl Schidlowski, der bereits im Februar geehrt wurde, als auch Mechler sind beide seit mehr als 50 Jahren für das THW im In- und Ausland im Einsatz. Reinhard Mechler ist gelernter Metallbauer, allerdings arbeitet er beim THW seit vielen Jahren schon als Koch, was aber sein Aufgabengebiet nur unzureichend beschreibt. In Äthiopien half er beispielsweise bei der Reparatur der im Bürgerkrieg zerstörten Lastwagen, um die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Für die Feldküche, die auch mit einem Backofen ausgerüstet ist, steht ihm ein Team von bis zu 30 Mitarbeitern zur Verfügung und wenn es gilt, bei den Einsätzen auch mal 4.000 Helfer oder mehr zu verpflegen: „dann muß ich nicht lange nachdenken, dann weiß ich, was zu tun ist“, sagt Mechler. Das Wort „Geht nicht“, kommt in seinem Sprachschatz einfach nicht vor. „Als im letzten Jahr die Klimaanlagen in einigen ICE-Zügen ausgefallen waren, mussten wir für die dehydrierten Menschen in den Zügen auf die Schnelle beim Großmarkt viele Paletten Mineralwasser heranschaffen und weil so etwas ja auch mal am Wochenende passieren kann, habe ich von den Geschäftsführern einiger Großmärkte die Notfallnummern. Ich bin da also nicht auf die Öffnungszeiten angewiesen. Geht nicht, gibt’s eben nicht. Man muss organisieren können und die richtigen Kontakte haben“, sagt Mechler. Ein „brauchbarer Praktiker“ also, manche sagen, er sei ein alter Haudegen. Auf jeden Fall kann er viel erzählen. Von den Einsätzen in Ruanda und Äthiopien, wo er statt Erbsensuppe Hirse, Gemüse und sowohl Rind- wie auch Schweinefleisch gekocht hat, von der Sturmflut in Hamburg 1962, vom Elbehochwasser 2002 und vieles mehr. Ebenso wie Wolfgang Schidlowski, der 1969 bei dem Explosionsunglück im Bahnhof Linden dabei war, bei dem großen Waldbrand in der Heide 1975, dem Oderhochwasser 1997 oder dem Zugunglück in Eschede ein Jahr darauf. Auf die Frage wie lange sie noch beim THW tätig sein wollen, antworteten beide unisono: „Wenn er geht, gehe ich auch“.

Mit Urkunden und Ehrenzeichen (von links): Pierre Graser, Reinhard Mechler, Ewald Nagel und Wolfgang Schidlowski.Foto: D. Lange