„Das war doch gar nicht böse gemeint“

Sie Teilnehmer der Aktion haben für Vielfalt und Toleranz gesprüht.

Der Alltagsrassismus und was kann man dagegen tun

Langenhagen. Mit großer Sorge haben die Mitglieder des Integrationsbeirats der Stadt Langenhagen die rassistischen und diskriminierenden Vorfälle der jüngsten Vergangenheit in den USA in den Medien verfolgt. Leider ist Rassismus auch hierzulande kein Fremdwort. Laut der aktuellen Statistik des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport ist die Anzahl der rechts motivierten Kriminalität im Jahr 2019 von 1434 auf 1632 gestiegen. Mit der Aktion #RassismusAnkreiden“ wollen die Beiratsmitglieder für dieses Thema vor Ort sensibilisieren. Mit bunter Sprühkreide haben sie gemeinsam mit Bürgermeister Heuer am Dienstag auf dem Marktplatz Sprüche für Vielfalt und Toleranz gesprüht. „Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns für diese Form des Protests gegen Rassismus entschieden und nicht zur Demonstration aufgerufen, um niemanden zu gefährden. Wir hoffen, dass diese Sprüche zum Nachdenken anregen und den Menschen länger im Gedächtnis bleiben, als die Sprühkreide auf dem Marktplatz, die mit dem nächsten Regen verschwindet“ – sagt Beiratsvorsitzender Erwin Eder. Jeden Tag machen Menschen in Deutschland Erfahrungen mit rassistisch motiviertem Verhalten. Sie werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer vermeintlichen Religion oder anderer Zuschreibungen diskriminiert und ausgegrenzt. Rassismus zeigt sich in allen Lebensbereichen: bei der Job- und Wohnungssuche, in der Ausbildung, beim Arzt, in der Disco oder auf dem Fußballplatz. Alltagsrassismus hat viele Gesichter. Es kann ein kleiner Witz oder die Frage nach der (vermeintlichen) Herkunft sein, obwohl man in Deutschland geboren wurde, abwertende Blicke im Bus oder auch die Zurückweisung am Clubeingang. Zum Alltagsrassismus gehören auch „gut gemeinte“ Komplimente wie "Du sprichst aber gut Deutsch" oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie "Afrikaner sind gute Langstreckenläufer" oder „Araber können gut verhandeln“. Wenn man so ein „Kompliment“ hinterfragt, bekommt man häufig die Antwort: „Wieso? Das war doch gar nicht böse gemeint“. In Langenhagen leben mehr als 8.500 Personen ohne deutschen Pass. Auch einige von ihnen werden im Alltag mit Rassismus konfrontiert. Solche Erfahrungen blieben auch Hamidou Bouba nicht erspart. Der seit vielen Jahren in Langenhagen lebende Kameruner kämpft gegen Rassismus nicht nur in Langenhagen, sondern bundesweit. Was kann jeder von uns gegen den Alltagsrassismus tun? „Vor allem sein eigenes Handeln und die eigene Wortwahl kritisch hinterfragen. Mehr Achtsamkeit in der Alltagssprache wäre wünschenswert, denn vielen Menschen ist es scheinbar gar nicht bewusst, wie sehr sie andere mit ihren Witzen oder PVerallgemeinerungen über Ausländer verletzen“ sagt die städtische Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé.