Das war sein letztes Großkonzert

Ein Foto aus dem obersten Rang: Ernst Müller steuert beim „Radetzky-Marsch“ das korrekte Mitklatschen. (Foto: K. Raap)

Mehr als 1.000 Besucher feierten Ernst Müller im Theater am Aegi

Hannover/Langenhagen (kr). Mehr als 1.000 Zuhörer feierten im Theater am Aegi Ernst Müllers traditionelles Neujahreskonzert. Unter dem Motto „60 Jahre Musik für das Niedersächsische Schützenwesen“ präsentierte der Musikdirektor mit dem Hausorchester SHK des Prinzen von Hannover ein äußerst abwechslungsreiches Programm. Doch es war keineswegs ein ganz „normales“ Konzert, denn es hatte sich herumgesprochen, dass Ernst Müller am 22. Februar die Ehrenbürgerrechte der Stadt Langenhagen verliehen werden. Und entsprechend veränderten sich die Grußworte der Gäste. „Ich freue mich, dass ich drei Gemeinsamkeiten mit dem künftigen Ehrenbürger habe“ betonte Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer, „wir lieben die Blasmusik, das Schützenwesen und besonders die Stadt Langenhagen“. Zweifelsfrei sei Ernst Müller durch seine Orchesterreisen, seine vielen Tonträger, seine unzähligen Konzerte für soziale Zwecke längst der erfolgreichste Öffentlichkeitsarbeiter für die Stadt. Natürlich hatte der Bürgermeister auch Geschenke mit dabei, noch nicht für die Ehrenbürgerwürde, aber für die beiden Geburtstage des Ehepaars Müller: Am 23. Februar wird Ernst Müller 80 Jahre alt, einen Tag später Ehefrau Marlies. Und Heuer hatte etwas Süßes mitgebracht, nämlich den exklusiven Rathaushonig aus den Bienenstöcken auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes, der nur als besonderes Geschenk der Stadt erhältlich ist. Beste Laune ist angesagt, wenn Paul-Eric Stolle, Präsident des Verbands hannoverscher Schützenvereine das Wort ergreift. Er hatte Ernst Müller bereits vor einiger Zeit die Ehrenmitgliedschaft dieser Institution verliehen und würdigte das Engagement des Langenhageners jetzt mit der Präsidenten-Ehrennadel für besondere Verdienste. Nach dem Honig vom Bürgermeister will Stolle für den Musikdirektor jetzt einen exklusiven Senf kredenzen: “Ernst Müller hat ja alles, und Senf passt auf jede Bratwurst.“
Unter den Gästen des Abends auch Michael Freiberg, Langenhagens Oberschützenmeister und die vielen Aktiven der Schützen-Gemeinschaft, Langenhagens stellvertretender Bürgermeister Willi Minne, Ehrenbürgerin Waltraud Krückeberg, Kammersänger Horst Dieter Bader und Axel Rott, Präsident des Niedersächsischen Sportschützenverbands. Ein ganz besonderer Gruß galt natürlich dem Schirmherr der Veranstaltung, Ernst August Erbprinz von Hannover, der mit seiner Ehefrau Ekaterina für einiges Aufsehen sorgte.
Die Musikfolge hatte Ernst Müller wie immer erfolgssicher zusammengestellt und brillant umgesetzt. Melodien von Verdi, Beethoven und Lehar wechselten mit Muical-Highlights aus „My Fair Lady“, „Hallo Dolly“ und der „West Side Story“. Der große Applaus bei den Marsch-Potpourris, bei denen sich auch Harald Sandmann, Dirigent des Blasorchesters der Stadt Langenhagen, als Gastdirigent einbrachte, unterstrich die Beliebtheit dieses Genres. Ein besonderer Hit wie immer der „Radetzky-Marsch“. Bei „Alte Kameraden“ übergab Ernst Müller seinen Taktstock an die temperamentvolle Sonja Vorwerk-Gerth , die nicht nur alle Müller-Konzert besucht, sondern teilweise auch sponsert. Der „Ernst-August-Marsch“ galt an diesem Tag dem prominenten Prinzenpaar. Als musikalischer Gastverein überzeugte der „Canora-Chor“ aus Hagen mit einem Abba-Potpourri und „Hallelujah“ von Leonard Cohen. „Teufelsgeiger“ Charly Neumann, schon vor Jahrzehnten auch als Klarinettist bei Ernst Müller tätig, sorgte mit seinem Bravourstück „Die Lerche“ für Stimmung. Urgestein Klaus Bröcker am Flügelhorn zelebrierte mit großem Ton „O mein Papa“. Nach den obligaten Zugaben - „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ und „Das Niedersachsenlied“ - blieb als Wermutstropfen die Erkenntnis, dass das Ernst Müllers letzte Großkonzert war.