„Den Fokus auf die Heilberufe legen“

An vielen Ecken und Enden mangelt es vor allen Dingen an Desinfektionsmittel

Langenhagen (ok). Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes „am Patienten dran“, engagieren sich Tag für Tag für unser aller Gesundheit. Und sie leiden zum Teil enorm an der Corona-Krise; es geht bei Vielen sogar um die Existenz. Da ist zum Beispiel Aylin Arslan von der „Praxis für Ergotherapie“, die zurzeit etwa 200 Absagen in einer Woche verzeichnen muss. Es fallen viele Hausbesuche in Kindergärten und Einrichtungen weg. Aber: „Wir dürfen nicht schließen trotz Ansteckungsangst, weil die Regierung dieses nicht zulässt. Wir seien systemrelevant und für das Gesundheitssystem unverzichtbar.“ Der verhandelte Rettungsschirm gelte allerdings nicht für sie, sodass sie alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste. Ein Problem, dass alle Heilmittelerbringer betreffe – egal, ob Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden oder Podologen. Und Aylin Arslan gibt zu, dass sie starke Existenzängste hat, denn Rücklagen von einem halben oder gar einem Jahr habe sie nicht. Ihr Kollege Mark Bussmann von der „Praxis für Ergotherapie“ aus Godshorn hat ähnliche Sorgen und Nöte, versucht aber trotzdem eine positive Grundeinstellung auch in schwierigen Zeiten zu bewahren. Viele Patienten hätten abgesagt, auch aus Angst vor Ansteckung. Und: Gab es im Januar und Februar noch eine Warteliste, sei die Nachfrage jetzt auf 25 Prozent gesunken. „Nicht notwendige Behandlungen“ finden nicht mehr statt, Gruppentherapien mit Kindern seien deshalb abgesagt. Alle Mitarbeiter arbeiteten natürlich mit Mundschutz und Handschuhen. Bussmann hat zwar Kurzarbeit beantragt, aber noch keine Nachricht bekommen. Mark Bussmann: „Ich fühle mich von der Regierung zwar nicht im Stich gelassen, der Fokus sollte aber auch mit auf die Heilberufe gerichtet werden.“
Optimistischer blickt Michael Schindler vom „Pflegedienst Schmetterling“ in die Zukunft: Er will eher Mut machen und ist für die Zeit jetzt gut aufgestellt: „Das Einhalten der Hygienevorschriften war für uns immer schon das A und O.“ Das gilt natürlich auch für Sonja Vorwerk-Gerth. Beim Arbeiten verspürt sie keinerlei Einschränkungen. Was fehlt, seien allerdings Masken, Brillen und auch Desinfektionsmittel. „Ich habe gerade 50 Liter Desinfektionsmittel bestellt und 20 Masken für 500 Euro“, erzählt sie. Niemand könne die Situation einschätzen, jeden Tag könne es eine neue Order aus dem Sozialministerium geben.
Für Ralf Knuth von „Optik von Hof“ ist es ein ganz neues Gefühl, jetzt mit Handschuhen und Mundschutz zu arbeiten. Sein Team und er bleiben am Ball. Die Öffnungszeiten sind aber eingeschränkt, jetzt immer zwischen von Montag bis Sonnabend zwischen 9.30 Uhr und 16 Uhr. Auch Karin Altekruse von „Altekruse Augenoptik“ hat ihre Öffnungszeiten beibehalten undsteht ihren Kunden mit dem kompletten Service zur Verfügung. Und auch bei Astrid Pape von „Oculi Augenoptik“ läuft das Geschäft , durch moderne Messgeräte mit Fernbedienung hat sie kein Problem, den geforderten Mindestabstand einzuhalten.
Marta Zabner von der Krankengymnastikpraxis Langenhagen garantiert auch die Versorgung, aber auch bei ihr haben Patienten natürlich schon Termine abgesagt. Und die Ärzte verschreiben ja auch weniger. Was ihr vor allen Dingen fehlt, ist Desinfektionsmittel. Eine Apotheke habe ihr da aus einem Engpass geholfen.
Gregor Brill, Leiter des Seniorenheims Bachstraße, ist erst einmal froh, dass der Kelch bislang an ihm vorüber gegangen sei. Schon früh habe er reagiert, am 15. März ein Besuchsverbot in seinem Haus umgesetzt. Das konsequente Unterbinden der sozialen Kontakte nach außen verfolgt er nach wie vor. Gregor Brill: „Für unsere Bewohner ist der Verzicht ganz schwer, gerade Gruppenveranstaltungen standen hoch im Kurs.“ Material habe er glücklicherweise genug, ein Aufruf über Facebook sei sehr erfolgreich gewesen.