„Denkt Euch was anderes aus!“

Bürgermeister Mriko Heuer sprach zu den vom Kita-Streik betroffenen Eltern auf dem Marktplatz. (Foto: G. Gosewisch)

Eltern-Solidarität für Erzieher-Streik bröckelt

Langenhagen (gg). Erzieher und Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst sind seit dem 8. Mai im bundesweiten Ausstand. In Langenhagen gibt es daher fast keine Kinder-Betreuung in den städtischen Kitas und Horten, nur wenige Notgruppen. Fachdienstmitarbeiter der Stadtverwaltung sind nur eingeschränkt tätig. Sie folgen dem Aufruf der Gewerkschaft verdi, die eine höhere Gehaltsstufe und damit rund zehn Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten beim kommunalen Arbeitgeberverband einfordert. Insbesondere für berufstätige Eltern wird der Streik zunehmend zur Herausforderung. Über soziale Netzwerke wird verzweifelt versucht, die Kinderbetreuung privat zu organisieren. Urlaubstage, die im Angestelltenverhältnis nutzbar sind, sind bei vielen schon aufgebraucht. Wer für die Kinderbetreuung zu Hause bleiben muss und keine Angehörigen am Ort hat, die um Hilfe gebeten werden könnten, läuft Gefahr, seinen Job zu verlieren. Bei einem Aufeinandertreffen von betroffenen Eltern mit Verdi-Vertretern kam es nun auf dem Marktplatz zur heftigen Auseinandersetzung. Geplant war das Gegenteil. Betroffene Eltern hatten sich zur Versammlung verabredet, um gemeinsam eine Stellungnahme der Stadtverwaltung zu erhalten. Verdi hatte sich angeschlossen und wollte Solidarität zeigen. In einem offenen Brief wird eingeräumt, dass der Streik zulasten der Kinder gehe. Verdi verstehe, dass die Geduld der Eltern zu Ende geht. Beschuldigt wird der Arbeitgeberverband, der Zeit verstreichen lasse und kein annehmbares Angebot vorlege. „Wenn wir jetzt aufgeben, waren alle bisherigen Streiktage vergeblich“, argumentierte Michael Patschkowski, Sekretär bei verdi, in seiner Ansprache vor rund 80 versammelten Eltern. „Denkt Euch was anderes aus! Wir haben bald keinen Job mehr“, war aus der Menge zu hören. Elternratsmitglied Sofia Daniilidou erklärte: „Wir sind zu sehr belastet, einfach am Limit. Eine Lösung muss gefunden werden, sehr schnell. Die Stadtverwaltung muss zudem irgendein Entgegenkommen zeigen.“ Just sei per Postbescheid die Erhöhung der Kita-Gebühren zugestellt worden. Für Sofia Daniilidou ein Schlag ins Gesicht: „Angebracht wäre eine Erstattung der Kita-Gebühren, da ja auch keine Leistung erbracht wird.“ Klar sei, dass die Eltern grundsätzlich die Arbeit der Erzieher wertschätzen. Dem Verständnis für die Lohnforderung schloss sich Bürgermeister Mirko Heuer vor Ort an. Beim letzten großen Kita-Streik im Jahr 2009 war er selber betroffener Vater: „Ich weiß, welche Probleme es gibt. Mein Handlungsspielraum als Bürgermeister ist sehr begrenzt. Kita-Gebühren können aus rechnerischen Gründen bestenfalls pauschal zu Gunsten der jeweiligen Kitas gutgeschrieben werden. Auf die Verhandlung von verdi mit dem Arbeitgeberverband habe ich gar keinen Einfluss. Ich kann nicht verstehen, dass verdi bereits mehrere Verhandlungstermine abgesagt hat.“