„Der Frust der Menschen ist mein Job“

Seelsorge am Flughafen ist modern und erfolgreich

Langenhagen (gg). Es ist eine Seelsorge im Abseits, die Pastor Ulrich Krämer am Flughafen Langenhagen als Dienst für die Menschen leistet. Abseits, weil die Verbindung zum Sakralen der Kirchengebäude vollständig fehlt. Es gibt keine Glocken, die mit ihrem Geläut an den Gottesdienst erinnern. Am Flughafen gibt es stille Andachten, dienstags um 12 Uhr, in einem hergerichteten Raum, der in seinen Abmessungen auch ein Büroraum sein könnte. Um so bemerkenswerter: Nicht weniger, sondern blühend ist die Nachfrage der Menschen nach Seelsorge dort. „Der Frust der Menschen ist mein Job“, sagt Pastor Krämer, der über Mobil-Telefon erreichbar ist und schnelle flexible Hilfe in seelischen Tiefs leistet. Da wird schon mal über elektronische Medien gebetet oder über sehr persönliche Probleme zwischen den Terminals auf dem Gang gesprochen. „Ich werde oft direkt um Hilfe gebeten. Die Menschen kommen dann ohne Umwege zur Sache, sie öffnen ihr Herz ganz schnell“, erklärt er. Das sei gut, weil er so auch gut helfen kann. Häufig tragen die Menschen ein Gesamtpaket von Sorgen mit sich herum, dabei kann sich sich Zwischenmenschliches mit finanziellen Problemen oder Zukunftsängsten um den Job mischen. „Ich erlebe oft, dass die Hilfe-Suchenden nach der Beschreibung ihrer Situation auch schon ihre Wünsche selber formulieren und oft einer Lösung sehr nahe sind. Ich freue mich, wenn ich Ermutigung geben kann.“, sagt Krämer. Er hat die Erfahrung , dass für niedergeschlagene und überarbeitete Menschen ein Psychologe oder Psychotherapeut nicht immer der richtige Ansprechpartner ist: „Mit der Bezeichnung Burn-Out muss man vorsichtig umgehen.“ Der Alltag im Beruf ist schnell und reizüberflutet, das merkt Krämer selber, der auch als Seelsorger auf dem Messegelände in Hannover tätig ist: „Auch ich musste lernen, für mich selber einen Rhythmus zu finden zwischen der Arbeit und den Erholungsphasen. Eine große Aufgabe des Lebens ist es, eine Balance für sich selber zu finden.“ Ohne freie Tage hat Krämer in letzten Monaten gearbeitet, nutzt die Osterfeiertage, um wieder Ruhe und Kraft für sich zu gewinnen. Ab 13. April ist er für die Seelsorge wieder da, Kontakt aufnehmen kann man in der Kapelle am Flughafen.