Der lebendige Gott

Karl Ludwig Schmidt, Pastor
In vielen Bildern wird in der Bibel von Gott geredet. Mal wird er als Hirte beschrieben, mal als Burg und Fels oder auch als Mutter, als Licht und Liebe. Solche Bilder helfen, Gott zu umschreiben. Ermessen und begreifen können wir ihn nie.
Die Gruppe der Konfirmanden aus unserer Gemeinde hatte in einer Unterrichtsstunde Bilder von Gott gemalt. Heraus gekommen sind kleine Kunstwerke. Ein Satz zu den Bildern beschreibt jeweils, wie die Mädchen und Jungen sich Gott vorstellen. Eine schützende Hand, ein Herz, in dem die Erdkugel sichtbar wird oder ein Auge, das wacht. Beeindruckend sind diese Bilder. Sie regen mich an, über mein Bild von Gott nachzudenken. Ich merke, wie hilfreich solche Bilder sind. Allerdings nur dann, wenn wir uns nicht auf sie festlegen. Denn Gott ist zugleich immer größer und anders als unsere Bilder von ihm und bleibt letztlich nicht zu fassen.
Ein Begriff taucht in der Bibel häufig auf, der für mich am besten erschließt, wie Gott ist. Er wird der lebendige Gott genannt. Als lebendiger Gott ist er immer wieder neu und anders zu erleben. Er mischt sich ein in unseren Alltag. Er ist manchmal unbequem und zeigt uns Grenzen auf. Er ist nicht abgehoben und bleibt uns doch gegenüber. Als liebender und lebendiger Gott kann ich ihn mir gut vorstellen. So hat er sich auch gezeigt in dem Menschen Jesus von Nazareth. In seiner Lebendigkeit ist er an der Seite von uns Lebenden. In der Buntheit des Lebens. In der Freude und im Schmerz. Mal wie ein Hirte, mal wie eine Quelle und mal wie eine Mutter. Ich möchte alle diese Bilder in mir klingen lassen. Auch wenn ich weiß: Gott sprengt jeden Rahmen und fällt aus jedem Bild heraus. Denn er ist lebendig …


Karl Ludwig Schmidt, Pastor