Der Mythos des demokratischen Rechtsstaates

Christopher Bors von der Konrad-Adenauer-Stiftung nd VHS-Leiterin Annette v. Stieglitz sind federführend bei der Ausstellung; Hubertus Knabe hat zum Auftakt referiert. (Foto: O.Krebs)

Ausstellung über ehemalige DDR läuft noch bis Ende des Monats

Langenhagen (ok). Das Wort Demokratie kommt im Namen zwar vor, in der Praxis spielte diese Staatsform aber keine Rolle. Diese Auffassung vertritt Hubertus Knabe, ehemaliger wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der zum Vortrag „DDR- Mythos und Wirklichkeit“ und zur Eröffnung einer einmonatigen Ausstellung nach Langenhagen gekommen war. Knabe sieht seine Aufgabe darin, die Geschichte der DDR wissenschaftlich aufzuarbeiten und einer kritischen Sicht auf diese mehr Geltung im öffentlichen Bewusstsein zu verschaffen.
So kritisierte er 2007, dass sich unter rechtsstaatlichen Bedingungen sowohl die SED-Nachfolgepartei PDS als auch – mit deren Geldern – Netzwerke der alten Stasikader neu organisieren konnten und bemängelte ein unzureichendes Engagement politischer Entscheidungsträger bei der Aufarbeitung der Staatssicherheit als „gesamtdeutsches Phänomen“.In seinen Publikationen weist er auf personelle, programmatische und finanzielle Kontinuitäten zwischen SED, PDS und Die Linke hin und wirft der Partei vor, sich nicht kompromisslos von ihrer DDR-Vergangenheit zu distanzieren. Er ging in seinem kurzweiligen Vortrag mit vielen praktischen Beispielen auf das Leben und den Alltag in der DDR, auf den Zusammenhalt unter Nachbarn, die günstigen Mieten und die Garantie auf Arbeit ein. Errungenschaften, auf die heute noch teilweise sehnsuchtsvoll geschaut werde. In einigen Köpfen lebe noch der Mythos des demokratischen Rechtsstaates, nicht des Unrechtsstaates. Aber Knabe machte deutlich, dass die Stasi kein normaler Geheimdienst, sondern einer mit omnipotenter Macht war. Die ehemalige DDR sei Klimakiller Nummer eins, in anderen Ländern werde besser mit natürlichen Ressourcen umgegangen. Umweltschutz sei teuer, Theorie und Wirklichkeit klafften auseinander. Mangelnde Innovationskraft, organisierte Verantwortungslosigkeit und Devisenmangel seien bestimmende Faktoren in der DDR gewesen, in der es auch Wohnungsnot gegeben habe. Und die Frauen hätten in der DDR hauptsächlich deshalb gearbeitet, weil es eklatanten Arbeitskräftemangel gegeben habe. Freiwillig sei dies oft nicht geschehen. Bei einer nostalgischen Rückschau werde das emotionale Leben oft nicht mit dem politischen System verknüpft. Wer sich selbst ein Bild über die 40 Jahre DDR machen will, kann gern die Ausstellung mit den 19 Schautafeln im VHS-Treffpunkt an der Konrad-Adenauer-Straße besuchen.