„Der Tag beginnt mit einem Kaffee“

Täglich 20 Meter über dem Boden: Für Maximilian Wehde (links) ging es im Betrieb von "Trümper & Trümper" oft hoch hinaus.Foto: L. Schweckendiek
 
Akten über Akten: Patrizia de Luca Ramirez schaffte Ordnung im Schrank.Foto: L. Schweckendiek

Reifer und reicher: IGSler lernen Arbeitsleben kennen

Langenhagen (ls). Vom Dachdecker bis zur Erzieherin – eine große Bandbreite an Ausbildungsberufen war vertreten. Während sich die einen im Sortieren der Kulissen für den Ballhof übten, schminkten die anderen Künstler im Theater, produzierten Hautpflegeprodukte oder verkauften ganz klassisch Autos oder andere Waren. Dabei stand neben dem Hineinschnuppern in den Beruf bei den Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern der IGS Langenhagen bei ihren Praktika vor allem der Spaß im Vordergrund. Das Arbeitsklima und die Atmosphäre – mitentscheidend bei der Frage, ob diese Tätigkeit für das spätere Berufsleben geeignet sei. Bei vielen fiel diese Entscheidung positiv aus, einigen wurde direkt ein Ausbildungsplatz angeboten. Auch die „neuen Kollegen“ wurden als sehr freundlich und aufgeschlossen beschrieben. Wer fragte, dem wurde geduldig geantwortet, Wissbegierde wurde gestillt und Aufgaben so lange erklärt, bis sie von den Praktikantinnen und Praktikanten verinnerlicht wurden. Unter diesen Voraussetzungen gingen die 14 Tage so schnell rum, dass sich manche noch eine Verlängerung gewünscht hätten. Und trotz des neu gelernten Umgangs mit Kindern, Werkzeugen oder Kleidung gingen die Arbeitswochen nicht vollkommen ohne Anstrengungen von der Rolle. So wurde Fangen gespielt bis zur letzten Kraftreserve, Schutt beseitigt, Akten sortiert und Kleidung zusammengelegt. Nun hatten wohl alle verstanden, wieso in der Arbeitswelt jeder Tag mit einem starken Kaffee beginnt. Nach einem ganzen Tag im Lager oder auf dem Dach hatten sich die Mädchen und Jungen ihren Feierabend wirklich verdient. Da dies schon das zweite Praktikum ist, können auch schon Vergleiche angestellt und Parallelen gezogen werden. „Der Beruf in der Anwaltskanzlei ist exakt mit dem der medizinischen Fachangestellten zu vergleichen, der einzige Unterschied sind die Themen, die in der Akten des Anwalts anders sind als in denen der Arztpraxis“, so Patrizia de Luca Ramirez. Andere haben in ihrem Praktikum mit ganz anderen Hürden zu kämpfen gehabt. Maximilian Wehde erzählte: „Das Praktikum als Dachdecker hat mir ein Stück meiner Höhenangst genommen. Ich gewöhne mich langsam an die täglichen Stunden in vorher für mich schwindelerregenden Höhen.“ Auf die Frage, wie die Idee der IGS ankomme, zwei Wochen lang einen Beruf auszuüben, antworteten alle wie aus einem Mund : „Es ist sehr gut, sich in eine Tätigkeit reinzutasten. Andere Schüler haben keine Möglichkeit dazu und finden sich später in einem völlig falschen Beruf wieder. Eine Entscheidung, die später nur schwer zu korrigieren ist. Wir können gucken, ob unser Zukunftstraum so ist, wie wir ihn uns vorstellen und notfalls haben wir noch genug Zeit, neue Pläne zu machen.“ Außerdem mache die Zeit alle Jugendlichen ein Stück reifer und reicher an Erfahrungen. So manchen gaben die Wochen auch einen Einblick in Sauberkeit, Disziplin und Ordnung und auch an der Hilfsbereitschaft, die nach allgemeinen Ansichten bei jungen Leuten ja oft zu wünschen übrig lässt, wurde gearbeitet.