"Die Beschäftigten müssen es ausbaden"

Inge Luckmann (rechts) schilderte Caren Marks (von links), Frank-Walter Steinmeier, Marco Brunotte und Manuela Schneemann ihr abwechslungsreiches Leben im Seniorenheim.Foto: O. Krebs

Frank-Walter Steinmeier besucht City Park Residenz: Kritik an Pflegesätzen

Langenhagen (ok). Sie würde ihn zum Kanzler wählen. Ein großes Kompliment der 89-jährigen Inge Luckmann für Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Der 56-jährige Sozialdemokrat steht dieses Mal aber gar nicht zur Wahl, der andere "Stein" der SPD, Peer Steinbrück, soll's gegen Angela Merkel richten. Für ein Gespräch mit der fitten Bewohnerin der City Park Residenz an der Walsroder Straße nahm sich der Politiker viel Zeit, als er hatte die Einrichtung besucht, um sich über Probleme in der Pflege mit den Verantwortlichen auszutauschen. Und mit Inge Luckmann fand Steinmeier eine rüstige Seniorin, der in der Einrichtung "nie langweilig wird", die frühere Krankenschwester aus Großburgwedel unterhielt ihre Gäste – zu denen zählten unter anderem auch die Bundestagsabgeordnete Caren Marks, der Landtagsabgeordnete Marco Brunotte und Regionspräsident Hauke Jagau – auf dem Akkordeon mit dem "Schneewalzer". Steinmeier lud sie gleich für den Sommer wieder ein: "Dann können wir draußen im wunderschönen Garten sitzen und ein Eis essen."
Aus fachlicher Sicht ging's beim Besuch des hochrangigen SPD-Politikers ans Eingemachte; Hannovers AWO-Chef Dirk von der Osten ging auf die aus seiner Sicht notwendige Anpassung der Pflegesätze in Niedersachsen ein. Denn: "Die Pflegesätze liegen 20 Prozent unter denen anderer westlicher Bundesländer", so von der Osten. Nach Auskunft Cornelia Rundts, sozialpolitische Expertin der SPD in Niedersachsen unter anderem die Folge eines Gerichtsentscheids. Auszubaden hätten das die Beschäftigten; sie bekämen weniger Lohn. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien nur über Mundpropaganda zu finden. Pflegedienstleiterin Manuela Schneemann: "Vor etwa fünf Jahren hatten wir noch 25 Bewerbungen, in diesem Jahr nur fünf." Gern würde das Haus, das etwa 130 Beschäftigte hat, mehr als zehn junge Menschen ausbilden, bräuchte dann auf einem ohnehin schon leergefegten Arbeitsmarkt wegen der Quote aber noch mehr Fachkräfte." Eine Umlagefinanzierung für Heime, die ausbilden, könnte die Lösung sein.
Eine klare Position bezog von der Osten auch in Sachen Mindestlohn. Nicht gerecht sei, dass auf dem Bau "das Kriterium teilweise Fachtätigkeiten" für den Mindestlohn reiche, in Pflegeberufen aber "überwiegend Fachtätigkeiten" erforderlich seien, um so entlohnt zu werden. Trotzdem gebe es in der Langenhagener Kernstadt genügend Pflegeeinrichtungen, in den Ortsteilen könnten es nach Meinung Marco Brunottes aber durchaus mehr sein.